Pill: Szenarioanalyse essenziell für robuste Geldpolitik
Huw Pill, Chefvolkswirt der Bank of England, sprach auf einer Konferenz in Skopje über die Herausforderungen der Geldpolitik in Zeiten „radikaler Unsicherheit“. Er betonte die Rolle der Szenarioanalyse für robuste Entscheidungen.
Bernanke-Review fordert Szenarioanalyse
Huw Pill betont die zentrale Rolle von Unsicherheit in der Geldpolitik, die er als „radikal“ beschreibt – jenseits messbarer Risiken.
Er verweist auf die Bernanke-Überprüfung von 2023, die vom Court der Bank of England in Auftrag gegeben wurde.
Diese Überprüfung, die über 30.000 Wörter umfasste und zwölf Reformempfehlungen enthielt, konzentrierte sich auf die Verbesserung der Prognose- und damit verbundenen Prozesse der Bank in Zeiten erheblicher Unsicherheit.
Insbesondere hob Pill die siebte Empfehlung hervor: die regelmäßige Ergänzung der zentralen Prognose durch alternative Szenarien.
Diese Szenarioanalyse sei entscheidend, um die Robustheit von Politikentscheidungen zu gewährleisten, die auch bei unvorhersehbaren Entwicklungen „gute“ Ergebnisse liefern.
Dies sei eine wichtige Innovation, selbst wenn sie nicht alle von Bernanke aufgeworfenen Fragen vollständig beantworte.
Die Ergebnisse dieser Szenarioanalyse sollen auch als Schlüsselwerkzeug für die Kommunikation der Zentralbank mit der Öffentlichkeit dienen.
Pill erwähnt auch die aktuellen Risiken durch die Feindseligkeiten im Golf.
Von der Ingenieurskunst zur radikalen Unsicherheit
Pill zeichnet die Entwicklung der geldpolitischen Entscheidungsfindung nach, beginnend mit dem traditionellen „Optimal Control Problem“ der 1950er und 60er Jahre.
Dieses Modell, das die Geldpolitik als „Ingenieurskunst“ betrachtete, ging von bekannten Parametern und Schockverteilungen aus und führte zu einem „Certainty Equivalence Result“.
Die Realität, so Pill, habe diese Annahmen widerlegt, insbesondere die „radikale Unsicherheit“, wie sie Lord King beschrieb – nicht durch Wahrscheinlichkeiten darstellbare „unknown unknowns“.
Die Herausforderung liege nun darin, die Breite und Vielfalt relevanter Szenarien zu wählen, ohne sich in obskuren Möglichkeiten zu verlieren.
Pill spricht hier von der „Kunst der Geldpolitik“ und erwähnt, dass sogar die CIA Science-Fiction-Autoren für Szenarien einsetzt, um „Outside-the-Box“-Denken zu fördern.
Die Bank of England fördert im Zuge der Bernanke-Reformen ebenfalls die Gedankenvielfalt unter den Mitarbeitern.
Mehr Kunst als Wissenschaft
Huw Pills Rede unterstreicht eine fundamentale Verschiebung im Denken der Zentralbanken, weg von mechanischen Modellen hin zu einem realistischeren Umgang mit Unvorhersehbarkeit.
Die Betonung von Szenarien und Urteilsvermögen ist ein notwendiger Schritt, um die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik in einer volatilen Welt zu erhalten.
Dies ist keine Abkehr von der Wissenschaft, sondern eine Anerkennung ihrer Grenzen und eine Aufwertung der menschlichen Expertise.
Quelle: Robustness - speech by Huw Pill
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