BOE: Klimarisiken bedrohen Preisstabilität
Swati Dhingra von der Bank of England (BOE) beleuchtet, wie Klimarisiken die globale Energie- und Lebensmittelversorgungsketten fragiler machen. Diese Risiken entwickeln sich zu wichtigen Treibern für Inflation und makroökonomische Stabilität.
Die drei Kanäle der Inflation
Klimawandel beeinflusst die Inflation über drei Kanäle: die Abhängigkeit von geopolitisch exponierten fossilen Brennstoffen, die physischen Auswirkungen extremer Wetterereignisse auf Lieferketten und die inflationären Effekte der Dekarbonisierungspolitik.
Dhingra betont, dass Energiepreise "systemisch bedeutsam" für die Inflation sind, da sie einen Großteil der Waren und Dienstleistungen beeinflussen.
Historisch fielen Energiepreisschocks mit der Mehrheit der Inflationsphasen im Vereinigten Königreich zusammen.
So trugen Energie- und energieintensive Komponenten am Höhepunkt der Inflation 2022–23 zu mehr als drei Vierteln der Teuerung bei.
Die globale Energiehandelslandschaft hat sich seit 2022 erheblich verändert, wobei US-Flüssigerdgas (LNG) eine viel größere Rolle für die EU und das Vereinigte Königreich spielt.
Diese Verschiebungen machen fossile Brennstofflieferketten anfälliger für geopolitische Spannungen, was die Preisstabilität direkt bedroht.
Physische Schocks und politische Antworten
Physische Klimaschocks wirken sich oft über Lebensmittelpreise auf die Inflation aus.
Extreme Temperaturen, Dürren und Überschwemmungen reduzieren die landwirtschaftliche Versorgung und treiben die Preise in die Höhe.
Studien zeigen, dass solche Ereignisse, wie der El Niño-Zyklus, kurzfristig inflationsfördernd wirken können.
Beispielsweise trug extreme Sommerhitze 2022 schätzungsweise 0,43–0,93 Prozentpunkte zur Lebensmittelinflation im Euroraum bei.
Auch die Politik zur Bekämpfung des Klimawandels kann inflationäre Effekte haben.
Kohlenstoffsteuern und Emissionshandelssysteme haben bisher moderate Auswirkungen gezeigt, doch Bank-Schätzungen zufolge könnten Änderungen in der Kohlenstoffpolitik 2021-23 rund einen Prozentpunkt zur Inflation beigetragen haben.
Diese Effekte werden voraussichtlich zunehmen, da die Kohlenstoffpreise steigen und die Abdeckung der Emissionspreise breiter wird, um Netto-Null-Ziele zu erreichen.
Monetäre Politik am Scheideweg
Dhingras Analyse unterstreicht die wachsende Komplexität für Zentralbanken, die traditionell auf nachfragegetriebene Inflation reagieren.
Die hier skizzierten angebotsseitigen Schocks erfordern jedoch ein Umdenken in der geldpolitischen Strategie, um Stagflationsrisiken zu vermeiden.
Ohne eine koordinierte Fiskalpolitik bleibt die Geldpolitik in diesem Dilemma jedoch weitgehend machtlos.