Inflation prägt Erwartungen: Glaubwürdigkeit entsteht durch Ergebnisse
Eine neue BOE-Studie widerlegt die Annahme, dass Inflationserwartungen sofort auf geldpolitische Regimeänderungen reagieren. Stattdessen zeigt die Forschung von Mridula Duggal, dass die tatsächliche Inflation die Erwartungen prägt und Glaubwürdigkeit durch erreichte Ergebnisse entsteht.
Das Paradox der Erwartungsbildung
Die Studie von Mridula Duggal untersucht, wie Inflationserwartungen auf Änderungen des geldpolitischen Regimes reagieren, insbesondere bei der Einführung von Inflationszielen (IT).
Entgegen der Annahme rationaler Erwartungen, die eine sofortige Anpassung vorhersagen, zeigen empirische Daten ein anderes Bild.
Die Autorin analysiert Umfragen von professionellen Prognostikern aus 32 Ländern und nutzt die gestaffelte Einführung von IT, um die Dynamik von Erwartungen und realisierter Inflation zu verfolgen.
Die zentralen Ergebnisse sind eindeutig: Während die Inflation nach der Einführung von IT tatsächlich sinkt, zeigen die Umfrageerwartungen kaum eine systematische Anpassung.
Dies deutet darauf hin, dass die tatsächliche Inflation die Erwartungen leitet und nicht umgekehrt.
Glaubwürdigkeit wird demnach nicht durch die bloße Ankündigung eines Inflationsziels aufgebaut, sondern durch die konsequente Erzielung niedrigerer Inflationsraten über die Zeit.
Anpassung statt sofortiger Sprung
Theoretisch entwickelt die Studie ein Neues Keynesianisches Modell mit Trendinflation und adaptivem Lernen.
Unter rationalen Erwartungen würden sich die Inflationserwartungen sofort anpassen, sobald ein neues Inflationsziel bekannt ist.
Unter adaptivem Lernen hingegen aktualisieren die Akteure ihre Überzeugungen schrittweise, basierend auf beobachteten Inflationsergebnissen.
Dies führt zu einer nur teilweisen Anpassung der Erwartungen zwischen Ankündigung und Implementierung.
Die empirischen Beobachtungen, wie etwa die unterschiedlichen Reaktionen in Kolumbien und den Vereinigten Staaten bei der IT-Einführung, stützen die Hypothese des adaptiven Lernens.
In Kolumbien sanken Inflation und Erwartungen, während in den USA kaum eine diskrete Bewegung der Erwartungen zu beobachten war, was das theoretische Modell untermauert.
Glaubwürdigkeit muss erarbeitet werden
Diese Forschung stellt eine fundamentale Annahme der modernen Geldpolitik in Frage: dass die bloße Kommunikation von Zielen sofort Erwartungen verankert.
Die Ergebnisse implizieren, dass Zentralbanken ihre Glaubwürdigkeit aktiv durch die Erfüllung ihrer Inflationsziele über längere Zeiträume hinweg aufbauen müssen.
Für die Praxis bedeutet dies, dass die 'letzte Meile' der Inflationsbekämpfung nicht nur eine Frage der Kommunikation, sondern vor allem der konsequenten Politik und der sichtbaren Ergebnisse ist.
Quelle: Targeting inflation expectations?
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