Vertrauensindikatoren erklären europäische Arbeitslosigkeit
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Ver­trau­en­s­in­di­ka­to­ren erklären europäische Arbeitslosigkeit

Eine neue BOE-Studie zeigt: Vertrauensindikatoren in Europa erfassen nicht-technologische Schocks, die 50 Prozent der Arbeitslosigkeit über den Konjunkturzyklus erklären. Diese 'News-Schocks' wirken persistent und sind orthogonal zu geldpolitischen Impulsen.

Nicht Technologie, sondern Stimmung

Das Working Paper von Marta Garcia-Rodriguez und Clemente Pinilla-Torremocha enthüllt, dass Schwankungen auf den europäischen Arbeitsmärkten maßgeblich von einem spezifischen Schock angetrieben werden.

Dieser Schock, der in Unternehmens- und Haushaltserhebungen erfasst wird, beeinflusst die Arbeitslosigkeit nicht unmittelbar, aber persistent über Konjunkturzyklen hinweg.

Er erklärt den Großteil der Prognosefehler-Varianz von Vertrauensindikatoren.

Die Studie zeigt, dass diese Vertrauensinnovation fast perfekt (-0,95) mit nicht-technologischen Störungen korreliert, die das langfristige Verhalten der Arbeitslosigkeit bestimmen.

Dies steht im Gegensatz zu einer nur moderaten Korrelation (0,44) mit Schocks, die die langfristige Produktivität beeinflussen.

Dies deutet darauf hin, dass Vertrauensindikatoren primär nicht-technologische Fundamentaldaten antizipieren und 50 Prozent der Arbeitslosenvarianz auf Konjunkturzyklusfrequenz erklären.

Der unsichtbare Treiber der Arbeitslosigkeit

Mithilfe eines Mixed-Frequency Panel FAVAR-Modells identifizierten die Forscher technologische, nicht-technologische und Vertrauensschocks.

Der Vertrauensschock, als nicht-technologischer News-Schock interpretiert, bewirkt einen persistenten Rückgang der Arbeitslosigkeit, der drei bis vier Jahre nach dem Impakt kulminiert.

Er verhält sich wie ein leicht inflationärer, vorübergehender Nachfrageschock, der Investitionen, Löhne, Zinsen, den Fiskalüberschuss und offene Stellen erhöht.

Dieser Schock ist orthogonal zu geldpolitischen Impulsen und führt dazu, dass professionelle Prognostiker ihre Arbeitslosigkeitserwartungen nach unten korrigieren.

Mehr als nur 'Animal Spirits'

Diese Studie liefert überzeugende Belege für die 'News-Ansicht' von Vertrauensindikatoren, indem sie deren Fokus auf nicht-technologische Fundamentaldaten hervorhebt.

Die Arbeit fordert eine Neubewertung der Rolle von Erwartungen in der Arbeitsmarktdynamik.

Für Zentralbanken können Stimmungsindikatoren als Frühwarnsystem für zukünftige Arbeitsmarktentwicklungen dienen, die nicht durch Technologie oder Geldpolitik beeinflusst werden.