Bailey warnt vor Selbstzufriedenheit und strukturellen Risiken in der Weltwirtschaft
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Bailey warnt vor Selbstzufriedenheit und strukturellen Risiken in der Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft zeigt sich widerstandsfähig gegenüber Unsicherheiten, doch die Risiken sind abwärts gerichtet. BOE-Gouverneur Andrew Bailey mahnt zur Vorsicht vor Selbstzufriedenheit an den Finanzmärkten und betont die Notwendigkeit struktureller Anpassungen.

Weltwirtschaft zeigt sich resilient, doch vier Abwärtsrisiken drohen

BOE-Gouverneur Andrew Bailey skizzierte die aktuelle Weltwirtschaftslage, basierend auf dem IWF World Economic Outlook.

Er hob die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft trotz hoher politischer Unsicherheit hervor.

Die Inflation sei im letzten Jahr nicht merklich gestiegen, doch die Lebenshaltungskosten blieben in vielen Ländern ein wichtiges Anliegen.

Globale Finanzbedingungen zeigten sich akkommodierend, getragen von hohen Bewertungen im Technologiesektor, insbesondere im KI-Bereich.

Bailey warnte jedoch vor einer möglichen Selbstzufriedenheit an den Finanzmärkten.

Der IWF sehe Risiken für den Ausblick der Weltwirtschaft, die sich nach unten neigen.

Vier Hauptgründe dafür seien eine Eskalation geopolitischer Spannungen, weitere Störungen der Handelspolitik, fiskalische Anfälligkeiten angesichts hoher Staatsverschuldung und enttäuschte Erwartungen an KI-getriebene Produktivitätsgewinne.

Struktureller Wandel prägt die Weltwirtschaft

Andrew Bailey beleuchtete fünf strukturelle Veränderungen der Weltwirtschaft.

Er hob die Zunahme großer angebotsseitiger Schocks hervor, für die makroökonomische Rahmenwerke weniger gut gerüstet seien.

Zweitens sei das potenzielle Wachstum vieler fortgeschrittener Volkswirtschaften in den letzten fünfzehn Jahren gesunken, primär durch geringeres Produktivitätswachstum.

Drittens führe die alternde Bevölkerung zu geringerem Wirtschaftswachstum und höherem fiskalischem Druck.

Viertens habe eine Umkehr der Handelsliberalisierung negative Wachstumseffekte, besonders für offene Volkswirtschaften.

Fünftens habe sich das Finanzsystem seit der Finanzkrise robuster entwickelt, mit einer Verschiebung der Intermediation von Banken zu Nichtbanken.

Banken blieben jedoch entscheidende Kredit- und Liquiditätsgeber, während sich auch Staatsanleihen- und private Vermögensmärkte tiefgreifend verändert hätten.

KI-Potenzial und globale Spannungen

Andrew Bailey zeigte sich als 'realistischer Optimist' bezüglich des Potenzials von KI und Robotik für das Produktivitätswachstum, mahnte jedoch zur Geduld und warnte vor vereinfachten Schlüssen zu Arbeitsmarkteffekten.

Die Vorteile der wirtschaftlichen Offenheit müssen genutzt werden, während Spannungen zwischen Globalisierung und nationalen Zielen bewältigt werden.

Dies erfordert eine robuste Bekämpfung exzessiver Ungleichgewichte innerhalb eines flexiblen globalen institutionellen Rahmens.

Quelle: The world today – remarks by Andrew Bailey

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