Regulierung halbiert grenzüberschreitendes Bankgeschäft
Regulierungsbarrieren nach dem Brexit haben das grenzüberschreitende Bankgeschäft britischer Institute mit dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) massiv reduziert. Eine neue Studie der Bank of England zeigt, dass die Kreditvergabe und Einlagenaufnahme um bis zu 45 Prozent sanken.
Passporting-Verlust halbiert Geschäft
Eine neue Studie der Bank of England (BoE) untersucht die Auswirkungen regulatorischer Barrieren auf grenzüberschreitende Kreditvergabe und Einlagenaufnahme von Banken.
Sie zeigt, dass in Großbritannien ansässige Banken ihre Aktivitäten mit Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) nach dem Brexit erheblich reduzierten.
Einige Effekte waren bereits nach dem Referendum 2016 sichtbar.
Banken, die das sogenannte 'Passporting' – die Fähigkeit, Dienstleistungen im gesamten EWR ohne zusätzliche Genehmigung anzubieten – verloren, reduzierten ihre Bestände an Krediten an und Einlagen von EWR-Ländern um etwa 45 Prozent stärker als Banken ohne diese Genehmigung, relativ zu ihren Aktivitäten mit Nicht-EWR-Ländern.
Zudem zeigten Banken mit höherer EWR-Exposition vor dem Referendum eine geringere Kreditvergabe und Einlagenaufnahme im EWR nach dem Referendum, was auf eine antizipatorische Anpassung hindeutet.
Die Ergebnisse unterstreichen die entscheidende Rolle des regulatorischen Zugangs für die Gestaltung des grenzüberschreitenden Bankgeschäfts und des Dienstleistungshandels.
Multinationale Banken finden kaum Umwege
Dienstleistungshandel ist zunehmend wichtig für Wachstum und Beschäftigung, doch regulatorische Barrieren bleiben oft unverstanden.
Der Bankensektor ist hier besonders betroffen, da er im Vergleich zu anderen Sektoren hohe Handelshemmnisse aufweist.
Die Studie nutzt den Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EWR, um die Auswirkungen dieser Barrieren zu quantifizieren.
Die Forscher fanden nur begrenzte Belege dafür, dass multinationale Banken die neuen Barrieren erfolgreich umgingen, indem sie ausländische Tochtergesellschaften nutzten.
Obwohl es eine Zunahme von EWR-Tochtergesellschaften betroffener Bankengruppen gab, führte dies nicht zu einer relativen Steigerung ihrer Kredit- oder Einlagenaktivitäten.
Dies deutet darauf hin, dass die Fähigkeit von Tochtergesellschaften, Barrieren zu umgehen, begrenzt ist und ein etablierter Sektor nicht leicht durch den eines anderen Landes ersetzt werden kann.
Regulierungs-Realität trifft Finanzplatz
Die Studie liefert eine ernüchternde Bestätigung der Brexit-Folgen für den Finanzsektor.
Sie zeigt, dass selbst große, international aufgestellte Banken kaum Wege finden, regulatorische Hürden zu umgehen, was die Resilienz des Finanzplatzes London in Frage stellt.
Für die Politik ist dies ein klares Signal, die Bedeutung von Marktzugang und regulatorischer Harmonisierung nicht zu unterschätzen.