Lebensversicherer: Wandel der Geschäftsmodelle, neue Risiken
Lebensversicherer weltweit passen ihre Geschäftsmodelle an veränderte Rahmenbedingungen an. Eine neue Analyse der Bank of Japan beleuchtet den Wandel hin zu alternativen Anlagen und Asset-Intensive Reinsurance (AIR) sowie die daraus resultierenden Finanzstabilitätsrisiken.
Von Sparprodukten zu alternativen Anlagen
Die Bilanzstrukturen von Lebensversicherern sind durch langfristige Aktiva und Passiva geprägt, die der Absicherung von Haushaltsrisiken dienen.
Obwohl die Grundfunktionen international ähnlich sind, variieren Produkte und verwaltete Finanzanlagen erheblich.
In Japan und Deutschland dominieren traditionell sparorientierte Produkte wie Kapital- und Lebensversicherungen mit Laufzeiten über zehn Jahren.
Im Gegensatz dazu sind in Großbritannien und den USA anlageorientierte Produkte wie fondsgebundene Versicherungen verbreiteter, was zu kürzeren Laufzeiten unter zehn Jahren führt.
Externe Faktoren wie demografischer Wandel, zunehmende Langlebigkeitsrisiken und die Umsetzung von ESR-Regulierungen treiben den Wandel.
Auch das lange Niedrigzinsumfeld nach der globalen Finanzkrise förderte eine aggressivere Risikobereitschaft.
Lebensversicherer reagieren mit einer Transformation ihrer Geschäftsmodelle, erweitern ihre Produktpaletten und diversifizieren ihre Anlageportfolios, insbesondere in alternative Investments wie Private Equity (PE) und Private Debt (PD).
Diese illiquiden Anlagen sind für das Asset-Liability-Management (ALM) langfristiger Verpflichtungen gut geeignet, wobei ihr Anteil in Japan noch deutlich geringer ist als in Europa und den USA.
Asset-Intensive Reinsurance im Aufwind
Lebensversicherer nutzen zunehmend Asset-Intensive Reinsurance (AIR) zur Steigerung der Anlagerenditen und Kapitaleffizienz.
Dabei werden nicht nur Versicherungs-, sondern auch Anlagerisiken an Rückversicherer übertragen, oft mit Sitz in Bermuda.
Dies ermöglicht es, höhere Diskontsätze bei der Bewertung von Policenreserven anzuwenden, was den Wert der Verbindlichkeiten reduzieren und Gewinne generieren kann.
Die USA verzeichnen den größten Anteil an AIR-Aktivitäten, gefolgt von Japan und Großbritannien.
Aus Finanzstabilitätssicht sind die zunehmende Verflechtung von Lebensversicherern mit Nichtbanken-Finanzintermediären wie Private-Equity-Fonds und die Zunahme grenzüberschreitender AIR-Transaktionen von großer Bedeutung.
Diese Entwicklungen erfordern eine kontinuierliche Überwachung durch Finanzbehörden weltweit, um potenzielle Stressübertragungen und Verstärkungsmechanismen zu bewerten.
Neue Risiken im alten Gewand
Die Studie beleuchtet einen fundamentalen Wandel in der Lebensversicherungsbranche, der durch demografische und regulatorische Faktoren beschleunigt wird.
Während die Diversifizierung der Geschäftsmodelle notwendig ist, birgt sie durch komplexe Reinsurance-Strukturen und die Verflechtung mit Private Funds auch neue, schwerer zu überblickende Finanzstabilitätsrisiken.
Für Aufsichtsbehörden weltweit ist dies ein klares Signal, die Überwachung dieser Entwicklungen zu intensivieren und potenzielle Ansteckungswege genau zu analysieren.