BOJ-Studie erklärt Konzept und Messung der Kerninflation
BOJ Paper Read in English

BOJ-Studie erklärt Konzept und Messung der Kerninflation

Die Bank of Japan (BOJ) erläutert in einer neuen Studie das Konzept und die Messung der Kerninflation. Diese ist entscheidend für die Geldpolitik, da der Gesamt-Verbraucherpreisindex temporären Schwankungen unterliegt.

Jenseits der Schlagzeilen: Das Wesen der Kerninflation

Die Bank of Japan (BOJ) verfolgt ein Preisstabilitätsziel von 2,0 Prozent, das jedoch durch temporäre Faktoren wie Wetterkapriolen, staatliche Subventionen oder institutionelle Änderungen im Verbraucherpreisindex (VPI) verschleiert wird.

Da geldpolitische Maßnahmen zeitverzögert wirken, ist es entscheidend, die „Kerninflation“ zu erfassen, indem solche vorübergehenden Einflüsse ausgeklammert werden.

Die Kerninflation lässt sich nicht durch einen einzelnen Indikator bestimmen, sondern erfordert eine umfassende Beurteilung verschiedener Wirtschafts- und Preisinformationen.

Die Studie beleuchtet die Kerninflation im Kontext der Phillips-Kurve, die den Zusammenhang zwischen Produktionslücke und Inflationsrate beschreibt.

Temporäre Faktoren können die Inflationsrate von dieser Kurve abweichen lassen, während Änderungen der Inflationserwartungen (adaptiv oder vorausschauend) die Kurve selbst verschieben können.

Auch Zentralbanken in Europa und den USA nutzen die Kerninflation als wichtiges Signal für die mittelfristige Inflationsentwicklung und ihre geldpolitischen Entscheidungen.

Drei Wege zur wahren Teuerung

Die BOJ nutzt drei Ansätze zur Messung der Kerninflation.

Erstens: der Ausschluss hochvolatiler Posten.

Traditionell wurden VPI-Daten um frische Lebensmittel und Energie bereinigt.

Seit März 2026 veröffentlicht die BOJ zusätzlich Indikatoren, die auch institutionelle Faktoren wie Regierungshilfen oder Bildungsprogramme eliminieren, um die gestiegene VPI-Volatilität zu berücksichtigen.

Dieser Ansatz ist intuitiv und zeitnah, birgt aber eine gewisse Willkür und kann die Wahrnehmung der Haushalte verfehlen.

Zweitens: die Erfassung mittel- bis langfristiger Inflationserwartungen.

Hierbei werden Umfragen bei Haushalten, Unternehmen und Experten sowie die Break-Even-Inflationsrate (BEI) aus inflationsindexierten Staatsanleihen analysiert.

Diese Indikatoren sind zukunftsgerichtet, zeigen jedoch eine erhebliche Streuung und können durch geringe Liquidität (BEI) verzerrt sein.

Drittens: die Schätzung der Kerninflation mittels ökonomischer Modelle.

Die BOJ verwendet vier Modelle, um die Trendinflation – den langfristigen Wert, zu dem die Inflationsrate ohne weitere Schocks konvergiert – zu ermitteln.

Dazu gehören Modelle mit zeitvariablen Parametern und semi-strukturelle Ansätze, die die Inflationsrate bei einer Produktionslücke von null oder den langfristigen Konvergenzwert schätzen.

Komplexität als Stärke

Die Studie unterstreicht die Komplexität der Inflationsmessung und die Notwendigkeit eines vielschichtigen Ansatzes.

Indem die BOJ ihre Methoden offenlegt, erhöht sie die Transparenz und stärkt das Vertrauen in ihre geldpolitischen Entscheidungen.

Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Kommunikation mit den Märkten zu verbessern und Missverständnisse über die Inflationsentwicklung zu reduzieren.