Ueda analysiert Japans Ölpreisschocks
BOJ Speech Read in English

Ueda analysiert Japans Ölpreisschocks

BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda beleuchtet Japans Erfahrungen mit fünf großen Ölpreisschocks seit den 1970er Jahren. Er betont, dass die Auswirkungen stark von den jeweiligen Ausgangsbedingungen abhängen.

Lektionen aus zwei Ölpreisschocks

Ueda eröffnete die BOJ-IMES Konferenz 2026 mit einer historischen Analyse der japanischen Reaktion auf Energiepreisschocks.

Der erste Ölpreisschock Ende 1973 führte zu einer typischen Lohn-Preis-Spirale, bei der Löhne und Preise um 20-30 Prozent stiegen.

Die Bank of Japan (BOJ) reagierte damals zu spät und unzureichend, da die Inflation bereits vor dem Schock bei fast 10 Prozent lag und die Lohnentwicklung bei 20 Prozent.

Die Wirtschaft schrumpfte daraufhin stark, und die Eindämmung der Inflation war mit hohen Kosten verbunden.

Der zweite Ölpreisschock um 1979/1980 zeigte ein moderateres Inflationsergebnis.

Dies lag an einer prompteren geldpolitischen Reaktion, aber auch an günstigeren Ausgangsbedingungen: niedrigere Inflation, verhalteneres Lohnverhalten, eine stärkere Yen-Aufwertung und verbesserte Energieeffizienz der Unternehmen.

Die Lektion war klar: Die Reaktion auf externe Schocks hängt stark vom Kontext ab.

Deflationäre Trägheit vs. breiter Schock

Die dritte Episode in den mittleren bis späten 2000er Jahren, geprägt von steigenden Öl- und Rohstoffpreisen, führte in Japan nur zu einem geringen Inflationsanstieg.

Die Kerninflation blieb fast durchweg negativ, da sich die Wirtschaft in einem deflationären Gleichgewicht befand.

Unternehmen zögerten, Preise zu erhöhen, Haushalte waren an stabile oder fallende Preise gewöhnt, und die Lohnentwicklung war schwach.

Die jüngste Episode ab 2021, ausgelöst durch Russlands Invasion in der Ukraine und den Nahostkonflikt, war ebenfalls ein externer Kostenschock.

Doch diesmal wurden die Preisanstiege breiter, die Unternehmen waren eher bereit, höhere Kosten weiterzugeben, und das Lohnwachstum zog an.

Die Yen-Abwertung verstärkte den Schock, der Arbeitsmarkt war enger, und die Preis- und Lohnnormen begannen sich zu verschieben.

Trotzdem kam es nicht zu einer Lohn-Preis-Spirale wie in den 1970er Jahren, und die mittelfristigen Inflationserwartungen stiegen nur moderat von einem langjährigen Nullniveau auf 1,5-2+ Prozent.

Mehr als nur Ölpreise

Japans Erfahrungen zeigen, dass Ölpreisschocks nie isoliert betrachtet werden dürfen, sondern als Test des gesamten Inflationsregimes dienen.

Die Auswirkungen hängen entscheidend von den Ausgangsbedingungen ab, insbesondere von Lohnentwicklung, Erwartungen, Nachfrage und Wechselkursen.

Eine vorübergehende Erschütterung kann sich verfestigen, wenn sie diese Kanäle aktiviert, während ein großer Schock temporär bleiben kann, wenn dies nicht geschieht.

Die Zentralbanken müssen daher genau analysieren, in welchem Inflationsregime sich die Wirtschaft befindet, um angemessen reagieren zu können.