Landpreise sinken nach Flut auch außerhalb Flutgebiet
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Landpreise sinken nach Flut auch außerhalb Flutgebiet

Eine neue Studie der Bank of Japan zeigt, dass die Landpreise nach dem Taifun Hagibis nicht nur in überfluteten Gebieten, sondern auch in angrenzenden, nicht betroffenen Zonen fielen. Dies ist auf eine veränderte Risikowahrnehmung zurückzuführen.

Zehn Prozent Wertverlust nach fünf Jahren

Die Bank of Japan (BoJ) untersuchte die Auswirkungen des Taifuns Hagibis (2019) auf die Landpreise in Japan.

Die Analyse von Parzellen-Daten und Überflutungskarten ergab, dass die Preise in direkt überfluteten Gebieten über fünf Jahre hinweg monoton um 10 Prozent sanken.

Bemerkenswert ist ein Distanz-Abfall-Effekt: Nicht überflutete Grundstücke innerhalb von 100 Metern zur Flutgrenze verzeichneten einen Rückgang von 5 Prozent.

Dieser Effekt verschwand jedoch jenseits von 800 Metern Entfernung.

Die Studie nutzt die "Kōji-chika"-Bewertung, die den fairen Marktwert von unbebautem Land widerspiegelt und somit Gebäudeschäden als Störfaktor eliminiert.

Dies ermöglicht eine präzise Schätzung der reinen Wertveränderungen durch die veränderte Risikowahrnehmung.

Die Ergebnisse unterstreichen die langfristigen ökonomischen Folgen von Naturkatastrophen, die weit über die direkt sichtbaren Schäden hinausgehen.

Risikowahrnehmung und Gefahrenzonen

Die Preisrückgänge unterschieden sich innerhalb und außerhalb offizieller Gefahrenzonen.

Außerhalb dieser Zonen waren die Spillover-Effekte in unbetroffenen Gebieten größer, insbesondere in Wohngebieten.

Zur Erklärung dieser Dynamik erweiterten die Forscher ein Modell zur Glaubensaktualisierung.

Simulationen identifizierten drei Hauptmechanismen: eine verzögerte Anpassung der Risikowahrnehmung nach der Flut, ein abnehmender Einfluss der Flutrisikowahrnehmung mit zunehmender Entfernung vom Katastrophengebiet und die bereits vor der Flut erfolgte Einpreisung des Risikos in den offiziellen Gefahrenzonen.

Diese Faktoren erklären die beobachteten räumlich-zeitlichen Muster der Landpreisabschwächung.

Die Studie betont, dass die Auswirkungen Verschiebungen in der subjektiven Wahrnehmung der Vorteile und Einnahmen aus dem Landbesitz widerspiegeln, nicht physische Gebäudeschäden.

Mehr als nur nasse Füße

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für Stadtplanung und Risikomanagement, da sie die weitreichenden indirekten Effekte von Naturkatastrophen aufzeigt.

Sie unterstreicht die Notwendigkeit, Risikokapitalisierung und -wahrnehmung bei der Bewertung von Immobilien und der Gestaltung von Versicherungsmodellen stärker zu berücksichtigen.

Für die Finanzstabilität bedeutet dies, dass auch scheinbar sichere Immobilien in der Nähe von Katastrophengebieten an Wert verlieren können.