Koeda (BOJ) warnt vor Nahost-Risiken für Japans Wirtschaft
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Koeda (BOJ) warnt vor Nahost-Risiken für Japans Wirtschaft

BOJ-Vorstandsmitglied Junko Koeda analysiert die Auswirkungen geopolitischer Risiken im Nahen Osten auf Japans Wirtschaft und Preise. Sie betont die Notwendigkeit einer genauen Beobachtung externer Schocks und globaler IT-Nachfrage.

Geopolitische Risiken belasten Japans Wirtschaft

Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten, die sich im Frühjahr materialisierten, haben den Geopolitical Risk Index auf ein Niveau ähnlich der Ukraine-Krise 2022 ansteigen lassen.

Die Preise für Dubai-Rohöl sind stärker gestiegen als während der Ukraine-Krise.

Japan ist stark von Energie- und Lebensmittelimporten abhängig, was die Situation als negativen Angebotsschock mit steigenden Rohölpreisen interpretiert.

Dies könnte die Wirtschaft schwächen und die Preise in die Höhe treiben.

Im Gegensatz zur Ukraine-Krise 2022 sind die globalen Angebotsengpässe jedoch bisher begrenzt, obwohl sich die Lieferzeiten verlängern.

Der IWF prognostiziert für April 2026 ein moderates globales Wirtschaftswachstum, trotz der Nahost-Situation, warnt aber vor einer Intensivierung der Angebotsengpässe bei einer Verlängerung der Krise.

Die BOJ muss die Dauer und die globalen Auswirkungen der Situation sowie die Entwicklung der globalen IT-Nachfrage und Lieferketten genau beobachten.

Japans Wirtschaft: Vorsicht trotz starker Löhne

In Japan haben sich die Nahost-Risiken noch nicht signifikant in den aktuellen Wirtschaftsdaten niedergeschlagen.

Unternehmensgewinne sind hoch, und die Lohnanpassungen für 2026 sind insgesamt solide, auch bei kleineren Unternehmen.

Dennoch zeigen die März-Tankan-Umfragen eine vorsichtige Einschätzung der zukünftigen Geschäftsaussichten.

Japans Exporte in den Nahen Osten sind zwar gering, aber die Exporte von Transportmaschinen sind relativ hoch.

Die BOJ muss die Exporte in energieabhängige Volkswirtschaften wie die NIEs und ASEAN-Länder überwachen.

Der Konsum der Haushalte könnte durch die erwartete höhere Inflation beeinträchtigt werden, da das Verbrauchervertrauen seit März 2026 deutlich gesunken ist.

Trotzdem steigen die Löhne stabil, was die anhaltende Interaktion von Löhnen und Preisen stützen könnte.

Das Produktionspotenzial ist positiv, und die BOJ sieht eine moderate Erholung der Wirtschaft, wenn auch mit einigen Schwächen.

Inflationsdruck bleibt bestehen

Der Erzeugerpreisindex (PPI) wurde durch steigende Importpreise beeinflusst, die im April 2026 aufgrund von Rohstoff- und Wechselkursentwicklungen deutlich zulegten.

Der PPI stieg auf rund 5 Prozent, angetrieben von energiebezogenen Faktoren.

Die Preisweitergabe durch Unternehmen hat sich beschleunigt, und die Tankan-Umfrage vom März 2026 zeigt, dass Unternehmen bereit sind, gestiegene Inputpreise an die Outputpreise weiterzugeben.

Auch die Verbraucherpreise (B2C) steigen weiterhin über eine breite Palette von Artikeln.

Einige Unternehmen erwägen nach dem Sommer Preiserhöhungen aufgrund der Nahost-Situation.

Die Kerninflation (ohne frische Lebensmittel) lag zuletzt zwischen 1,5 und 2,0 Prozent, beeinflusst durch staatliche Maßnahmen zur Entlastung der Haushalte.

Koedas Analyse verdeutlicht die Zwickmühle der BOJ: Während externe Schocks Inflationsrisiken schüren, könnte eine zu frühe Straffung die fragile Binnennachfrage abwürgen.

Die Betonung der 'letzten Meile' im Kampf gegen die Inflation ist berechtigt, doch die Gefahr einer Überreaktion bleibt real.

Für die Märkte bedeutet dies weiterhin eine hohe Unsicherheit über den Zeitpunkt weiterer geldpolitischer Schritte.