Masu: Iran-Krise birgt Inflationsrisiken für Japan
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Masu: Iran-Krise birgt Inflationsrisiken für Japan

BOJ-Vorstandsmitglied Kazuyuki Masu analysiert die japanische Wirtschaft und Geldpolitik. Er warnt vor weitreichenden Inflationsrisiken durch die Iran-Krise, während US-Zölle Japan bisher kaum beeinträchtigten.

Die Iran-Krise: Physische Engpässe und Preisdruck

Die Iran-Krise birgt weitreichende Folgen, die über die Auswirkungen von Zöllen hinausgehen.

Die globale Versorgung mit Rohöl und Erdgas ist angespannt, was Zentralbanken weltweit vor schwierige Entscheidungen stellt, da Energieknappheit sowohl eine Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit als auch einen Inflationsanstieg auslösen kann.

Besonders betroffen sind die Preise: Obwohl die LNG-Versorgung Japans durch langfristige Verträge und diverse Quellen stabil ist (nur 6 Prozent durch die Straße von Hormus), werden LNG-Preise mit einer Verzögerung von vier Monaten an die Rohölpreise des Nahen Ostens gekoppelt.

Ein signifikanter Anstieg der LNG-Preise ist daher unvermeidlich.

Japans Abhängigkeit vom Nahen Osten bei Rohöl ist auf über 70 Prozent gestiegen.

Eine Knappheit bei Transportkraftstoffen und petroleumbasierten Chemikalien, die von Autoteilen bis zu Lebensmittelverpackungen reichen, ist wahrscheinlich.

Die Auswirkungen auf den Alltag könnten gravierender sein als beim ersten Ölschock 1973.

US-Zölle ohne große Wirkung, Inflation durch Binnenfaktoren

Die US-Zollpolitik hat Japan überraschenderweise kaum wirtschaftlich beeinträchtigt.

Der Tankan-Geschäftsklimaindex erreichte mit plus 18 den höchsten Stand seit 1991, und auch die Konsumindikatoren zeigen eine graduelle Verbesserung.

Die Belastung durch US-Zölle wurde hauptsächlich von US-Firmen und Haushalten getragen.

In Japan wird die Inflation derzeit von anderen Faktoren angetrieben: Die Kerninflation verharrt bei 2,9 Prozent, und die Lohndynamik bleibt hoch.

Die Lohnwachstumsraten liegen bei etwa 2 bis 3 Prozent, wobei die jährlichen Frühjahrslohnverhandlungen 5 bis 6 Prozent inklusive altersbedingter Erhöhungen ausweisen.

Zudem steigen die Distributionskosten seit April 2024, bedingt durch Arbeitszeitbeschränkungen für Lkw-Fahrer, um rund 3 Prozent.

Diese steigenden Personal- und Distributionskosten bilden zusammen mit der Yen-Abwertung die Grundlage für die aktuelle Inflation in Japan.