Tamura: 2-Prozent-Ziel erreicht, Inflationsrisiken steigen
BOJ-Vorstandsmitglied Naoki Tamura sieht das Zwei-Prozent-Inflationsziel bereits als erreicht an und warnt vor steigenden Preisrisiken. Die Wirtschaft erholt sich moderat, doch der Nahe Osten und Rohölpreise belasten die Prognosen.
Rohölpreise belasten Japans Wachstum
Die Bank of Japan (BOJ) bewertet die japanische Wirtschaft als moderat erholt, trotz partieller Schwächen durch die Lage im Nahen Osten.
Nach der US-Zollpolitik im April 2025 führten Unsicherheiten zu BIP-Prognoserevisionen, die sich jedoch nach Handelsabkommen entspannten.
Das Geschäftsklima blieb stabil.
Im April 2026 revidierte die BOJ die Prognosen für das reale BIP-Wachstum im Fiskaljahr 2026 erneut nach unten.
Steigende Rohölpreise aufgrund der Nahost-Situation dürften Unternehmensgewinne und Realeinkommen der Haushalte belasten.
Ab Fiskaljahr 2027 wird ein moderater Anstieg des realen BIP-Wachstums erwartet, da die negativen Effekte nachlassen.
Die Kernannahme ist eine Entspannung im Nahen Osten und ein Rückgang der Dubai-Rohölpreise auf 70-80 US-Dollar pro Barrel bis Ende 2028.
Die Verbraucherpreisinflation (ohne frische Lebensmittel) lag zuletzt bei etwa 1,5 Prozent, wird aber voraussichtlich auf über 2 Prozent ansteigen, da Rohölpreise und Lohnsteigerungen weitergegeben werden.
Löhne und Erwartungen stützen Preisziel
Naoki Tamura vertritt die Ansicht, dass die zugrunde liegende Inflation das Zwei-Prozent-Preisstabilitätsziel bereits erreicht hat und ein hohes Risiko für einen Aufwärtstrend der Preise besteht.
Er nennt drei Hauptfaktoren: Die Frühjahrs-Lohnverhandlungen 2026 des Rengo zeigen solide Lohnsteigerungen von rund 3,5 Prozent bei den Grundlöhnen, die im dritten Jahr die Zwei-Prozent-Marke übertreffen.
Zudem liegt der Verbraucherpreisindex (ohne frische Lebensmittel) ohne institutionelle Faktoren wie staatliche Energiemaßnahmen tatsächlich über 2 Prozent.
Schließlich haben die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen der Unternehmen (2,5 Prozent laut Tankan März 2026) und Haushalte das Zwei-Prozent-Niveau erreicht.
Klartext aus Tokio
Tamura bricht mit der offiziellen Linie und liefert eine überzeugende Argumentation für eine bereits erreichte Preisstabilität, gestützt auf solide Lohnentwicklungen und verankerte Inflationserwartungen.
Seine Betonung endogener Preistreiber ist ein klares Signal an den Markt und könnte die BOJ unter Druck setzen, ihre vorsichtige Haltung zu überdenken.
Die Argumente für eine weitere geldpolitische Normalisierung gewinnen dadurch an Gewicht.