Himino: Japans Weg zur Geld-Einheitlichkeit in digitaler Welt
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Himino: Japans Weg zur Geld-Einheitlichkeit in digitaler Welt

BOJ-Vize Himino beleuchtet die Zukunft des Geldes und die Rolle der Zentralbanken. Er kontrastiert die Wege der USA (Stablecoins) und Europas (CBDC) und ordnet Japans Position ein.

Zwei Wege, ein Ziel: Dollar oder Euro

Die USA und Europa haben 2025 unterschiedliche Weichenstellungen für ihre Geldsysteme vorgenommen.

Während die USA mit dem GENIUS Act die Regulierung und Förderung von Stablecoins vorantreiben und ein CBDC-Verbot für Bundesbehörden erließen, kündigte die EZB im Oktober die Einführung eines digitalen Euro bis 2029 an.

Diese Entwicklungen scheinen die USA in Richtung Stablecoins und Europa in Richtung CBDC zu lenken, auch wenn weitere Wendungen nicht ausgeschlossen sind.

US-Finanzminister Scott Bessent sieht in Stablecoins eine Stärkung des Dollar-Status als globale Reservewährung und eine Finanzierung des US-Haushaltsdefizits.

Die EZB hingegen betont die strategische Autonomie Europas und die Überwindung der Fragmentierung im europäischen Zahlungsverkehr.

Für Japan, dessen Yen keine globale Schlüsselwährung ist und nicht der regionalen Integration dient, sind diese Modelle nicht direkt übertragbar.

Japan hat zwar Stablecoin-Gesetze eingeführt und ein CBDC-Pilotprogramm gestartet, doch die internationalen Entwicklungen zeigen die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Designs für das zukünftige Geldsystem.

Resilienz vor Bequemlichkeit: Die Cash-Debatte

Die Gestaltung eines zukünftigen Geldsystems erfordert eine umfassende Prüfung technischer Machbarkeit, sozialer Kosten, Benutzerfreundlichkeit, Resilienz, Kompatibilität mit neuen Technologien, Wettbewerb, Finanzstabilität und geldpolitischer Implikationen.

Dabei zeigen sich Zielkonflikte: Stablecoin-Geschäftsmodelle könnten unter Nullzinsen nicht nachhaltig sein, und CBDCs finden unter normalen Bedingungen möglicherweise keinen breiten Zuspruch.

Ein zentraler Kompromiss besteht zwischen Benutzerfreundlichkeit in normalen Zeiten und Resilienz in Krisenzeiten.

Die schwedische Riksbank, eine Pionierin im CBDC-Bereich, empfiehlt der Öffentlichkeit, verschiedene Zahlungsmethoden wie Bargeld, Karten und mobile Dienste bereitzuhalten.

Dazu gehören das Halten von 1.000 SEK in bar, die Nutzung von Bargeld zur Aufrechterhaltung des Systems und der Zugang zu mindestens zwei Karten.

Mehrere Länder, darunter die Slowakei, Ungarn, Slowenien und die Schweiz, haben das Recht auf Barzahlung oder die Bereitstellung von Bargeld durch die Zentralbank in ihren Verfassungen verankert.

Himino selbst sieht seinen „dicken Geldbeutel“ als Symbol für einen aufkommenden Lebensstil in Zeiten geopolitischer Spannungen.

Einheitlichkeit unter Druck

Die zunehmende Vielfalt digitaler Zahlungsmittel stellt das Konzept der 'Einheitlichkeit des Geldes' fundamental infrage, obwohl alle Methoden letztlich auf Banküberweisungen basieren.

Zentralbanken müssen ihre Rolle neu definieren, um Vertrauen und die Finalität von Zahlungen in einem fragmentierten, geopolitisch aufgeladenen Umfeld zu gewährleisten.

Dies erfordert eine ganzheitliche Systemgestaltung, die über technische Machbarkeit hinausgeht und tiefere Fragen nach der Natur des Geldes beantwortet.