BOJ-Rat diskutiert Inflationsrisiken durch Nahost-Lage
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BOJ-Rat diskutiert Inflationsrisiken durch Nahost-Lage

Die Bank of Japan (BOJ) hat auf ihrer April-Sitzung die wirtschaftliche Entwicklung und Preisrisiken durch die Lage im Nahen Osten erörtert. Die Meinungen zur künftigen Geldpolitik divergierten, wobei die Notwendigkeit einer Normalisierung betont wurde.

Wirtschaft zwischen Resilienz und externen Schocks

Japans Wirtschaft erholt sich moderat, zeigt jedoch teilweise Schwäche, beeinflusst durch die Situation im Nahen Osten.

Für das Fiskaljahr 2026 wird eine Verlangsamung des Wachstums erwartet, primär durch eine Verschlechterung der Terms of Trade aufgrund steigender Rohölpreise.

Ab 2027 soll sich das Wachstum wieder moderat beschleunigen, wenn die negativen Effekte der hohen Ölpreise nachlassen.

Die Belastungen aus den verschlechterten Terms of Trade wurden zwischen Unternehmen, Haushalten und Regierung geteilt, etwa durch Preisanpassungen und Subventionen.

Trotzdem zeigt die Wirtschaft eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit, gestützt durch hohe Unternehmensgewinne und erwartete Lohnsteigerungen.

Die Auswirkungen auf einzelne Industrien variieren stark, wobei die IT-Branche von starker globaler Nachfrage profitiert, während die Petrochemie unter steigenden Importpreisen leidet.

Die Unsicherheit über Ausmaß und Dauer der Lieferengpässe im Nahen Osten bleibt hoch und könnte Kernindustrien betreffen.

Preisdruck und die adaptive Erwartungsbildung

Die zugrunde liegende Verbraucherpreisinflation (VPI) dürfte allmählich steigen, gestützt durch die Interaktion von Löhnen und Preisen.

Sie wird voraussichtlich zwischen der zweiten Hälfte des Fiskaljahres 2026 und 2027 das Preisstabilitätsziel erreichen und dort verbleiben.

Die Auswirkungen der Nahost-Lage auf den zugrunde liegenden Preistrend sind gering, wenn die Rohölpreise schnell sinken.

Bei moderater Erholung der Ölversorgung könnten die Preise jedoch sowohl nach oben als auch nach unten beeinflusst werden.

Eine längere Eskalation erhöht die Aufwärtsrisiken für die Inflation, während erhebliche Lieferkettenstörungen eher Abwärtsdruck ausüben würden.

Angesichts der adaptiven Inflationserwartungen in Japan könnten die aktuellen Preissteigerungen, die die Nahost-Lage widerspiegeln, die zugrunde liegende VPI-Inflation über das Basisszenario hinaus anheben.

Steigende inländische Vertriebskosten durch höhere Treibstoffpreise könnten den Zeitpunkt für das Erreichen von 2 Prozent VPI-Inflation vorziehen.

Die BOJ-Vertreter sehen im Vergleich zu früheren Ölkrisen ein höheres Risiko für Zweitrundeneffekte durch den Rohölpreisanstieg, auch aufgrund der aktuellen Finanz- und Fiskalbedingungen.

Normalisierung im Spannungsfeld der Unsicherheit

Die BOJ befindet sich in einem Dilemma: Einerseits drängen die anhaltend niedrigen Realzinsen und die sich nähernde 2-Prozent-Inflation zur weiteren Normalisierung der Geldpolitik.

Andererseits erfordert die hohe Unsicherheit durch die Nahost-Lage eine abwartende Haltung, um die Wirtschaft nicht unnötig zu belasten.

Die unterschiedlichen Meinungen im Rat spiegeln diese Spannung wider und zeigen, dass der Weg zu höheren Zinsen datenabhängig und schrittweise erfolgen muss.

Eine Beschleunigung der Zinserhöhungen bei steigenden Inflationsrisiken wird nicht ausgeschlossen, aber auch die Beibehaltung akkommodierender Bedingungen bei signifikanten Lieferkettenstörungen ist eine Option.