Rhee: Asiens Wachstumsmotor steht vor großen Herausforderungen
Bank of Korea Gouverneur Chang Yong Rhee analysiert Asiens Rolle als globaler Wachstumsmotor und dessen Zukunft bis 2050. Er identifiziert Deglobalisierung, Industriepolitik und technologischen Wandel als zentrale Herausforderungen.
Asiens Aufstieg: Vom Exportmotor zur neuen Realität
Asien hat sich seit 1991 zu einem globalen Wachstumsmotor entwickelt, mit einem achtfachen Anstieg des Pro-Kopf-BIP und der Befreiung von 1,2 Milliarden Menschen aus der Armut.
China war ein Haupttreiber, doch auch ohne China stiegen die Einkommen in Asien um das 4,5-fache.
Aktuell trägt Asien 60 Prozent zum globalen Wachstum bei, wobei Indien zunehmend die Lücke füllt, die durch Chinas moderateres Wachstum entsteht.
Dieser Erfolg basierte auf exportorientierter Fertigung und der Entstehung von 'Factory Asia'.
Doch dieses Wachstumsmodell stößt an seine Grenzen, da sich das globale Umfeld grundlegend wandelt.
Deglobalisierungstendenzen, eine Rückkehr zur Industriepolitik in fortgeschrittenen Volkswirtschaften und der strukturelle Wandel durch Technologie stellen Asiens zukünftige Rolle in Frage.
Drei Gegenwinde für den Kontinent
Die erste Herausforderung ist die 'Reglobalisierung', eine Neuorganisation globaler Lieferketten entlang geopolitischer statt rein ökonomischer Linien.
Länder wie Vietnam und Indien profitieren, während Korea und Japan Anpassungsdruck spüren.
Zweitens kehren Industrieländer zur Industriepolitik zurück, um Fertigungsautonomie und nationale Sicherheit zu stärken.
Dies verändert die globalen Wettbewerbsbedingungen.
Drittens transformiert der technologische Wandel die Fertigung: Automatisierung und KI verdrängen Arbeitskräfte, was zu 'vorzeitiger Deindustrialisierung' in Schwellenländern führt.
Asiens komparativer Vorteil in der Fertigung könnte erodieren, und der Übergang zu Dienstleistungsexporten ist ungewiss.
Erwartungen an den Staat neu kalibrieren
Angesichts dieser Herausforderungen müssen asiatische Volkswirtschaften ihre Erwartungen an die Rolle des Staates neu kalibrieren.
Die Regierung kann nicht mehr wie früher 'Gewinner auswählen', sondern sollte Risiken mit dem Privatsektor teilen.
Koreas Erfahrung zeigt, dass eine Anpassung der Politik entscheidend ist, um Asiens Wachstumspfad nachhaltig zu sichern.