Europas Ersparnisse mobilisieren: Makhlouf betont Rolle des Binnenmarkts
Angesichts einer zunehmend fragmentierten Welt fordert Gabriel Makhlouf, Gouverneur der irischen Zentralbank, eine effektivere Mobilisierung europäischer Ersparnisse. Ein vertiefter Binnenmarkt sei entscheidend, um Kapital für Investitionen zu generieren und Europas wirtschaftliche Stärke zu sichern.
Europas Sparparadoxon in einer fragmentierten Welt
Europa verfügt über erhebliche Ersparnisse, die im Euroraum nach der Pandemie auf rund 15 Prozent des Einkommens gestiegen sind und sich auf fast 10 Billionen Euro belaufen.
Trotzdem halten europäische Haushalte nur ein Fünftel ihres Vermögens in Finanzanlagen, und die Investitionen über Kapitalmärkte halten nicht Schritt.
Die EU benötigt bis 2030 jährlich zusätzliche Investitionen von 750 bis 800 Milliarden Euro.
Makhlouf betonte, dass die Weltwirtschaft zunehmend fragmentiert sei, beeinflusst von geopolitischen Überlegungen, die Handels-, Technologie- und Kapitalströme prägen.
Er verwies auf die 'Kindleberger Trap', ein Szenario globaler Führungsschwäche, das die Stabilität des Wirtschaftssystems gefährdet.
In dieser neuen Realität sei Europas wirtschaftliche Stärke wichtiger denn je, was auch die Berichte von Draghi und Letta unterstreichen, die Produktivität und Wachstum als fundamentale Treiber des wirtschaftlichen Erfolgs hervorheben.
Wachstum, Tiefe und ein europäischer Safe Asset
Die Abwanderung europäischer Ersparnisse ins Ausland erklärt sich durch die Erwartung höherer risikobereinigter Renditen.
Makhlouf betonte, dass die Leistungsfähigkeit der Realwirtschaft entscheidend sei, da Finanzmarkt- und Regulierungsreformen ohne starkes Wachstum begrenzt wirksam bleiben.
Der Binnenmarkt sei ein untergenutztes Asset, dessen Barrieren, besonders im Dienstleistungssektor, die Produktivität und Kapitalmarktentwicklung hemmen.
Europäische Kapitalmärkte seien zudem weniger tief und liquide als anderswo.
Um dies zu ändern, sei eine kritische Masse an Emissionen und die Entwicklung eines europäischen 'Safe Asset' erforderlich.
Makhlouf befürwortete ein solches Asset als 'eindeutiges Ja', um institutionelles Kapital zu verankern und die Abwanderung von Ersparnissen zu verhindern.
Brücken bauen für Europas Kapital
Zentralbanken und Regulierungsbehörden sichern Preis- und Finanzstabilität als Basis für Investitionen.
Makhlouf fordert kollektive Anstrengungen für Wachstum, Markttiefe und Skalierung, um Europas Ersparnisse im Binnenmarkt zu halten.
Nur so kann die 'Brücke' zwischen Ersparnissen und produktiven Investitionen gebaut und Europas wirtschaftliche Zukunft gesichert werden.