McMunn: Bankenregulierung zwischen Kapital, Wettbewerb, Komplexität
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McMunn: Bankenregulierung zwischen Kapital, Wettbewerb, Komplexität

Mary-Elizabeth McMunn, stellvertretende Gouverneurin der irischen Zentralbank (CBI), beleuchtet die regulatorische Debatte um Kapital, Wettbewerb und Komplexität. Sie betont die Notwendigkeit robuster Kapitalanforderungen für die Finanzstabilität.

Robuste Kapitalisierung als Fundament

Die stellvertretende Gouverneurin McMunn unterstreicht die fundamentale Rolle von Kapitalanforderungen für die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors.

Seit dem ersten Basler Kapitalabkommen 1988 sei die Debatte über Bankenkapital nahezu kontinuierlich.

Kapital sei neben Liquidität der „Sauerstoff des Finanzsystems“ und entscheidend, um Schocks zu absorbieren, anstatt sie zu verstärken.

McMunn nennt vier Kernprinzipien moderner Kapitalfestsetzung: risikobasiert, vorausschauend (durch Stresstests), kohärent und antizyklisch.

Dies bedeute, dass Kapitalanforderungen je nach Risikoprofil einer Institution und der Systemrisiken steigen oder fallen.

In schlechten Zeiten sollten Banken auf freigebbare Kapitalpuffer zurückgreifen können, um die Kreditvergabe aufrechtzuerhalten.

Das Eurosystem bekräftigte im Dezember das Prinzip, dass Änderungen am EU-Aufsichtsrahmen die aktuellen Resilienzniveaus aufrechterhalten müssen, da Finanzstabilität eine Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum ist.

Ka­pi­ta­lan­for­de­run­gen: Lösung ohne Problem?

McMunn setzt sich kritisch mit Forderungen nach einer Senkung der Kapitalanforderungen auseinander, die oft mit der Förderung der Kreditvergabe an die Realwirtschaft, der Steigerung der Rentabilität des Sektors und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit begründet werden.

Sie argumentiert, dass die Daten diese Annahmen nicht stützen.

Die Kreditvergabe im Euroraum sei auf rund 3,0 Prozent gewachsen, in Irland sogar über 6,0 Prozent.

Banken verfügten über erhebliche Kapitalüberschüsse, die weit über den regulatorischen Anforderungen lägen (über 600 Basispunkte in Irland, fast 500 Basispunkte in der EU).

Dies deute darauf hin, dass Kapitalanforderungen die Kreditvergabe nicht übermäßig einschränken.

Auch die Eigenkapitalrendite der Banken im Euroraum liege mit über 10,0 Prozent auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise, was eine Dämpfung der Rentabilität durch Kapitalanforderungen widerlege.

Vergleiche mit den USA zeigten zudem, dass große US-Banken tatsächlich höheren Kapitalanforderungen unterliegen als ihre europäischen Pendants.

Wettbewerb im Wandel, Komplexität bleibt

Die Debatte um den Wettbewerb im irischen Privatkundengeschäft wandelt sich, weg von traditionellen Banken hin zu einem vielfältigeren Markt mit ausländischen Anbietern und Nichtbanken.

Diese Neudefinition der Marktstruktur, gepaart mit der inhärenten Komplexität des Finanzsystems, erfordert einen nuancierten Regulierungsansatz, der Stabilität und Innovation gleichermaßen priorisiert.

McMunn betont, dass die CBI sich verpflichtet fühlt, durch proaktive Aufsicht die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems inmitten dieser vielschichtigen Herausforderungen zu gewährleisten.