Makhlouf fordert echten Binnenmarkt für Dienstleistungen und Kapital
CBI-Gouverneur Gabriel Makhlouf kritisiert die Fragmentierung des europäischen Binnenmarktes. Er fordert eine tiefere Integration von Gütern, Dienstleistungen und Kapital, um Wachstum und Resilienz zu stärken.
Dienstleistungen als ungenutztes Potenzial
Der europäische Binnenmarkt ist seit über drei Jahrzehnten ein Motor für Wachstum und Resilienz, doch seine Potenziale werden nicht voll ausgeschöpft.
Makhlouf betont, dass eine zu enge Sichtweise auf den Markt Europa Chancen für mehr Wachstum und Resilienz nimmt.
Die Europäische Kommission schätzt, dass der Binnenmarkt das EU-BIP bereits um 3-4 Prozent gesteigert hat, doch die vollständige Beseitigung veralteter Regeln und inkonsistenter nationaler Vorschriften könnte diese Gewinne verdoppeln.
Das größte Potenzial liegt im Dienstleistungssektor, der rund 75 Prozent des EU-BIP ausmacht, aber der innergemeinschaftliche Handel in diesem Bereich stagniert bei nur 7,6 Prozent des EU-BIP.
Viele Barrieren sind bekannt und hartnäckig, darunter restriktive nationale Vorschriften und mangelnde gemeinsame Standards.
Makhlouf lobte die irische Regierung für die Einführung eines neuen nationalen Rahmens zur Binnenmarktumsetzung, einschließlich eines eigenen Büros und eines 'Sherpas'.
Kapitalmarkt-Lücke als Innovationsbremse
Die Fragmentierung des Binnenmarktes hat direkte Auswirkungen auf den Finanzsektor.
Die Barrieren, die grenzüberschreitende Dienstleistungen behindern, fragmentieren auch die europäischen Kapitalmärkte, erhöhen die Kosten für grenzüberschreitende Investitionen und halten europäische Ersparnisse in nationalen Systemen gefangen.
Obwohl der EU-Bankensektor Vermögenswerte von rund 33 Billionen Euro und Schuldverschreibungen weitere 24 Billionen Euro umfasst, ist die Kapitalisierung der EU-Börsen mit 73 Prozent des BIP im Jahr 2024 nur etwa ein Viertel des US-Niveaus.
Der Bericht von Mario Draghi verdeutlicht, dass die Kapitalmarkt- und Innovationslücke eng miteinander verbunden sind: EU-Risikokapitalinvestitionen beliefen sich 2025 auf etwa 66 Milliarden Euro, nur ein Fünftel des US-Äquivalents.
Europa mangelt es nicht an innovativen Start-ups, sondern an einem tiefen Kapitalmarkt, um diese zu großen Unternehmen zu entwickeln.
Makhlouf sieht regulatorische Fragmentierung als Symptom, nicht als Ursache, und betont, dass ohne einen echten Binnenmarkt für Dienstleistungen die Harmonisierung allein die Lücke nicht schließen wird.
Einheitliche Regeln und ein 'Safe Asset' als Fundament
Die Vision eines echten europäischen Kapitalmarktes hängt von zwei Säulen ab: einer harmonisierten Regulierungsarchitektur und der Schaffung eines gemeinsamen 'Safe Assets'.
Während Programme wie NextGenerationEU das Potenzial gemeinsamer Anleihen zeigten, bleibt die Fragmentierung bei Preisbildung und Sicherheiten bestehen.
Die Kosten der Untätigkeit übersteigen die der Integration bei Weitem, da Europas Wettbewerbsfähigkeit sonst weiter erodiert.