Nahost-Konflikt: EZB hält Zinsen, Inflationsrisiken steigen
Der Nahost-Konflikt erhöht die Inflationsrisiken in Europa, während das Wachstum unter Druck gerät. Der EZB-Rat hielt die Leitzinsen unverändert, um die weitere Entwicklung abzuwarten.
Energiepreise als Inflationsmotor
Der Nahost-Konflikt verschiebt die Inflations- und Wachstumstreiber in Europa erheblich.
Auf der Angebotsseite treibt er die Energiepreise rasch in die Höhe, was das Risiko birgt, dass die Gesamtinflation schneller und stärker über das Ziel von 2 Prozent steigt.
Sektoren mit hohem Energieeinsatz könnten Kostendruck erfahren.
Auf der Nachfrageseite wirken sich die Effekte auf Realeinkommen, Investitionen und globalen Handel wachstumshemmend aus, was die Inflation langfristig dämpfen könnte.
Die März-Projektionen der EZB illustrieren diese Unsicherheit.
Während die Dezember-Projektionen für 2026 einen Rückgang der Öl- und Gaspreise um 10 bzw. 19 Prozent vorsahen, prognostiziert die neue März-Baseline nun Anstiege von 18 Prozent für Öl und 28 Prozent für Gas im Jahr 2026.
Der EZB-Rat berücksichtigte auch Szenarien, in denen die Energiepreise das Zwei- oder Dreifache des Niveaus von Ende 2025 erreichen könnten.
Energieverbrauch macht knapp 10 Prozent des Haushaltskonsums aus, was den direkten Durchschlag auf die Gesamtinflation begrenzt, aber indirekte und Zweitrundeneffekte sind zu erwarten.
Geduld in unsicheren Zeiten
Angesichts der gegenläufigen Preisentwicklungen und der erheblichen Unsicherheit über die weitere Entwicklung hielt der EZB-Rat den Hauptleitzins unverändert.
Eine Neubewertung soll bei der nächsten Sitzung in sechs Wochen erfolgen, ohne sich auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen.
Dies ist der zweite Energieversorgungsschock innerhalb von fünf Jahren.
Im Gegensatz zu 2022, als die Inflation vor dem Ukraine-Krieg bereits über 5 Prozent lag, der Arbeitsmarkt angespannt und die Geldpolitik akkommodierend war, beträgt die Headline-Inflation heute 1,9 Prozent.
Der Arbeitsmarkt ist entspannter, und der Leitzins von 2 Prozent liegt im Bereich des neutralen Zinssatzes.
Die Inflationserwartungen sind bei 2 Prozent verankert.
Dennoch muss die Zentralbank wachsam bleiben, da Haushalte und Unternehmen nach Jahren über dem Ziel liegender Inflation sensibler auf neue Schocks reagieren könnten.
Transparenz trifft Vorsicht
Der Blogbeitrag des CBI-Gouverneurs Gabriel Makhlouf bietet eine transparente und nüchterne Einschätzung der neuen Risikolage.
Die Betonung der Datenabhängigkeit und des neutralen Zinsniveaus signalisiert eine vorsichtige Haltung, die angesichts der Unsicherheit gerechtfertigt ist.
Dennoch bleibt die Herausforderung, die Inflationserwartungen stabil zu halten, während die Wirtschaft gleichzeitig vor neuen Schocks geschützt werden muss.