Leitzins erhöht, Irlands BIP-Rückgang erklärt
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Leitzins erhöht, Irlands BIP-Rückgang erklärt

Die EZB hat den Einlagenzins um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent erhöht. Gabriel Makhlouf von der irischen Zentralbank erklärt die Gründe und ordnet den starken Rückgang des irischen BIP ein.

Inflation auf dem Vormarsch

Der EZB-Rat hat den Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent angehoben – die erste Änderung seit Juni 2025.

Gabriel Makhlouf, Gouverneur der irischen Zentralbank, begründet die Entscheidung mit dem gestiegenen Inflationsdruck.

Die Eurozone verzeichnete im Mai eine Headline-Inflation von 3,2 Prozent, nach 3,0 Prozent im April und 1,9 Prozent im Februar.

Besonders die Energieinflation stieg im Mai auf fast 11 Prozent, während die Dienstleistungsinflation von 3,0 auf 3,5 Prozent zulegte.

Makhlouf betont, dass die aktuellen Zahlen „nicht komfortabel“ sind und sich in die falsche Richtung bewegen.

Trotz eines schwächeren Wirtschaftsumfelds im Vergleich zu 2022, mit geringerer Nachfrage und kühleren Arbeitsmärkten, warnte er davor, die Situation zu unterschätzen.

Die Erfahrung der Verbraucher mit der jüngsten Inflationswelle macht sie sensibler für Preisentwicklungen, was das Risiko von Zweitrundeneffekten erhöht.

Die EZB bleibt entschlossen, ihr Zwei-Prozent-Ziel mittelfristig zu erreichen und wird auf persistente Angebotsschocks reagieren.

Irlands BIP: Ein verzerrtes Bild

Die jüngsten irischen BIP-Zahlen sorgten für Aufsehen: Ein Rückgang um 12,1 Prozent im ersten Quartal 2026 führte zu einer Abwärtskorrektur des gesamten BIP-Wachstums der Eurozone auf -0,2 Prozent.

Doch diese Zahl ist irreführend.

Irland ist eine kleine, offene und hochgradig globalisierte Wirtschaft, stark geprägt von multinationalen Unternehmen.

Rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung wird von ausländischen Multis erbracht, der Handel macht 230 Prozent des BIP aus.

Diese Struktur führt zu hoher Volatilität der aggregierten Wirtschaftsindikatoren.

Das Central Statistics Office (CSO) veröffentlicht daher modifizierte Kennzahlen wie die Modified Domestic Demand (MDD), die ein besseres Bild der heimischen Wirtschaft liefern.

Im Gegensatz zum BIP-Rückgang stieg die MDD im ersten Quartal um 0,6 Prozent.

Unter Berücksichtigung der MDD für Irland hätte das BIP der Eurozone im ersten Quartal sogar um 0,2 Prozent zugenommen.

Diese Divergenz unterstreicht die Notwendigkeit, bei der Beurteilung der irischen Wirtschaft auf angepasste Messgrößen zu achten.

Keine Panik, aber Wachsamkeit

Die irischen BIP-Entwicklungen des ersten Quartals ändern Makhloufs Perspektive auf die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen in Irland und der Eurozone nicht wesentlich für geldpolitische Entscheidungen.

Die branchen- und produktspezifischen Faktoren sind kein gutes Signal für breitere Wirtschaftsbedingungen oder Inflationsdynamiken.

Daher bleibt es entscheidend, modifizierte Messgrößen wie die MDD zu berücksichtigen, um ein realistisches Bild der wirtschaftlichen Lage zu erhalten.