G-SIB-Kapitalpuffer: Banken reagieren asymmetrisch
Eine Studie der Zentralbank Russlands (CBR) zeigt, dass globale systemrelevante Banken (G-SIB) asymmetrisch auf Änderungen des Basel III-Kapitalpuffers reagieren. Bei Senkungen reduzieren sie Kapitalquoten und erhöhen die Kreditvergabe, bei Erhöhungen jedoch nicht.
Asymmetrische Reaktion auf Pufferänderungen
Die Studie von Heinrich Penikas (CBR) analysiert die Reaktion globaler systemrelevanter Banken (G-SIB) auf den Basel III-Kapitalpuffer über zwölf Jahre.
Mittels modifizierter Event-Study- und Difference-in-Differences-Methoden wird eine asymmetrische Reaktion festgestellt.
Bei einer offiziellen Senkung des Kapitalpuffers reduzieren Banken ihre Eigenkapitalquoten und weiten die Kreditvergabe aus.
Sie nutzen den freigewordenen Spielraum zur Bilanzoptimierung.
Bei einer Puffererhöhung hingegen passen die Banken ihre Kapitalquoten nicht proportional an und reduzieren auch die Kreditvergabe nicht.
Dies ist auf zuvor aufgebaute Kapitalreserven zurückzuführen, die es ihnen ermöglichen, verschärfte Anforderungen ohne sofortige Anpassungen zu erfüllen.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass regulatorische Änderungen G-SIB zu einer erhöhten Risikobereitschaft anregen können, was den ursprünglichen Zielen der Regulierung zuwiderläuft.
Bei einer Verschärfung der Regulierung wachsen die Eigenmittel der G-SIB, während bei einer Lockerung kein solcher Anstieg beobachtet wird.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Auswirkungen regulatorischer Maßnahmen genau zu kalibrieren, um unbeabsichtigte Verhaltensweisen zu vermeiden.
Lehman, Credit Suisse: Die Frage der Effektivität
Die Relevanz der G-SIB-Regulierung wurde durch jüngste Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie und den Kollaps der Credit Suisse im Jahr 2023, der ersten G-SIB-Pleite seit Lehman Brothers 2008, neu beleuchtet.
Diese Vorfälle werfen die Frage auf, wie effektiv die bestehenden Kapitalpuffer tatsächlich sind.
Die Forschung konzentriert sich darauf, ob Änderungen der Kapitalanforderungen zu proportionalen Anpassungen der tatsächlichen Kapitalquoten der Banken führen.
Eine vollständige Transmission könnte Zusammenbrüche verhindern, während unvollständige Transmission regulatorische Misserfolge bedeutet.
Der G-SIB-Kapitalpuffer soll systemische Risiken großer, 'too big to fail'-Finanzinstitute mindern, wobei nicht nur Größe, sondern auch Vernetzung und Komplexität der Operationen berücksichtigt werden.
Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) und der Finanzstabilitätsrat (FSB) überprüfen die G-SIB-Liste und die Pufferwerte jährlich, die ab 2016 verbindlich wurden.
Die Studie nutzt diese jährlichen Überarbeitungen als quasi-natürliches Experiment zur Bewertung der Regulierungseffekte.
Weniger ist manchmal mehr
Die Studie offenbart eine kritische Schwachstelle der aktuellen G-SIB-Regulierung, da Banken die Flexibilität der Pufferanpassungen zu ihrem Vorteil nutzen, statt dem Geist der Vorschriften zu folgen.
Die Empfehlung, die Liste der G-SIB und die Puffergrößen seltener zu überarbeiten, ist ein pragmatischer Schritt, um unbeabsichtigte Risikobereitschaft einzudämmen.
Dies unterstreicht die ständige Herausforderung, regulatorische Rahmenwerke in einem dynamischen Finanzsystem effektiv zu gestalten.