Harr skizziert globale Makrotrends in unsicherer Welt
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Harr skizziert globale Makrotrends in unsicherer Welt

Thomas Harr, Chefökonom der Danmarks Nationalbank, präsentierte sechs globale Makrotrends, die die Weltwirtschaft prägen. Er betonte anhaltende fundamentale Unsicherheit, geökonomische Fragmentierung und höhere Inflation als zentrale Herausforderungen.

Geökonomische Fragmentierung nimmt zu

Die Weltwirtschaft erlebt eine zunehmende geökonomische Fragmentierung, gekennzeichnet durch steigende Handelsbarrieren und politische Unsicherheit.

Handelsbeschränkende Maßnahmen haben sich in den letzten Jahren beschleunigt und betreffen etwa ein Fünftel der globalen Importe.

Jüngste Zölle signalisieren eine tiefere Phase der Handelsfragmentierung, mit einer Verschiebung der Handelsmuster, insbesondere durch asiatische Volkswirtschaften.

Der Rückgang der US-Importe aus China ist bei hochentwickelten Fertigungsprodukten besonders ausgeprägt.

Gleichzeitig stiegen die EU-Importe aus den USA und China, während die EU-Exporte, speziell in die USA seit 2025, nachließen.

Diese Entwicklungen belasten globale Lieferketten und die Effizienz des Welthandels.

Der globale Energieschock hat zudem zu einem breiten Anstieg der Energie- und Gesamtinflation geführt.

Die Verbraucherenergiepreise steigen weltweit, und die jährliche Energiepreisinflation nimmt zu.

Harr hob hervor, dass die aktuellen Bedingungen sich von denen nach Russlands Invasion der Ukraine 2022 unterscheiden.

Damals war der europäische Gas- und Stromschock gravierender, die Inflation stieg bereits vor 2022, der private Konsum war robuster und die Geldpolitik akkommodierend.

Dies deutet auf unterschiedliche Treiber und Implikationen der aktuellen Inflationsdynamik hin.

KI als Pro­duk­ti­vi­täts­trei­ber und Risiko

Der schwache private Konsum ist ein prägender Trend, der sich in sinkenden Konsumquoten und hoher Verbraucher-Pessimismusrate im Euroraum und Dänemark zeigt.

In Dänemark geben jüngere und ältere Menschen weniger von ihrem Einkommen aus, was die Konsumquote drückt.

Globale Ungleichgewichte bleiben bestehen und weiten sich aus, sichtbar in Leistungsbilanzüberschüssen und -defiziten.

Trotz erhöhter geopolitischer Unsicherheit bleiben die Risikoprämien an den Finanzmärkten auffallend niedrig, möglicherweise durch ein Überschuss an privaten Ersparnissen.

Künstliche Intelligenz (KI) wird als zentraler Makrotrend identifiziert.

Dänische Unternehmen sind Top-Nutzer von KI in der EU.

KI verspricht Produktivitätsgewinne, beeinflusst Arbeitsmärkte und birgt Finanzstabilitäts- sowie Cyberrisiken.

Unsicherheit als neue Normalität

Harrs Analyse verdeutlicht, dass die Weltwirtschaft in eine Ära permanenter Unsicherheit eingetreten ist, die über kurzfristige Schocks hinausgeht.

Die aufgezeigten Trends wie Fragmentierung und schwacher Konsum sind tiefgreifend und erfordern eine grundlegende Anpassung der Wirtschaftsstrategien.

Für Zentralbanken bedeutet dies eine noch komplexere Abwägung zwischen Stabilität und Wachstum, da traditionelle Modelle an ihre Grenzen stoßen.