Energiepreise steigen wieder, Inflationsausblick anders
Der Krieg im Nahen Osten führt erneut zu einem Energieschock mit breiten Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte. Die dänische Nationalbank analysiert, warum der Inflationsausblick 2026 dennoch anders ist als 2022.
Globaler Energieschock durch Nahost-Krieg
Der Krieg im Nahen Osten hat die Weltwirtschaft erneut einem Energieschock ausgesetzt.
Die Schließung der Straße von Hormus, durch die 20 Prozent der globalen Öl- und Gaslieferungen fließen, trieb die Preise in die Höhe.
Brent-Rohöl stieg unmittelbar um rund 50 Prozent und handelt seit Mitte März zwischen 85 und 120 US-Dollar pro Barrel, verglichen mit 60 bis 70 US-Dollar vor dem Konflikt.
Europäische Erdgaspreise liegen im April und Mai rund 40 Prozent über dem Vorkriegsniveau.
Dieser globale Schock führte zu einem Anstieg der Verbraucherenergiepreise: In den USA um 15,1 Prozent, im Euroraum um 13,0 Prozent und in Dänemark um 4,5 Prozent von Februar bis April.
Die Auswirkungen erstrecken sich auch auf Nebenprodukte wie Harnstoff, Naphtha und Bitumen sowie Kerosin, was die Kosten in vielen Industrien erhöht.
Vier Gründe für ein anderes Inflationsumfeld
Die dänische Nationalbank identifiziert vier wesentliche Gründe, warum der aktuelle Energieschock und seine Inflationsauswirkungen sich von denen des Jahres 2022 unterscheiden.
Erstens war die Inflation 2022 bereits durch vorherige große Schocks angetrieben worden, was 2026 nicht der Fall ist.
Zweitens wurde Europa 2022 von einem schweren Gasschock getroffen, der durch klimabedingte Strompreisanstiege verstärkt wurde; die aktuellen Gaspreisanstiege und indirekten Effekte sind deutlich geringer.
Drittens war die Geldpolitik 2022 akkommodierend, während sie nun näher an einem neutralen Niveau liegt.
Viertens war der private Konsum 2022 stark, ist aber aktuell schwächer.
Diese Faktoren deuten darauf hin, dass die Übertragung der Energiepreise auf die Verbraucherpreise dieses Mal anders verlaufen könnte.
Entwarnung mit Vorbehalt
Obwohl die Energiepreise erneut stark ansteigen, deutet die Analyse der dänischen Nationalbank auf eine beherrschbare Inflationsentwicklung hin.
Die entscheidenden Unterschiede zu 2022 – insbesondere die straffere Geldpolitik und das Fehlen vorheriger Schocks – bieten eine stabilere Ausgangslage.
Dennoch bleibt die Unsicherheit extrem hoch, und die Dauer der Preiserhöhungen wird maßgeblich über die tatsächliche Inflationsdynamik entscheiden.