EBA-Bericht: Banken-Krisenpläne im Praxistest
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat eine vergleichende Analyse zur Umsetzung von Sanierungsplänen durch sogenannte 'Dry Runs' veröffentlicht. Der Bericht beleuchtet aktuelle Praktiken und identifiziert bewährte Ansätze zur Stärkung der Krisenvorsorge.
Mehr als nur Compliance-Übung
Die Analyse der EBA bestätigt, dass 'Dry Runs' – also praktische Tests von Sanierungsplänen – ein hochwirksames Instrument zur Verbesserung der Krisenbereitschaft von Banken sind.
Obwohl sie nicht explizit im regulatorischen Rahmen vorgeschrieben sind, erkennen die meisten Institute ihren Wert an.
Der Bericht hebt jedoch erhebliche Unterschiede im Reifegrad der Ansätze hervor.
Während einige Banken die Tests primär zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Erwartungen nutzen, behandeln Institute mit reiferen Ansätzen 'Dry Runs' als echte Managementinstrumente.
Diese integrieren die Ergebnisse strukturiert in ihr Risikomanagement und nutzen sie, um die Glaubwürdigkeit und Umsetzbarkeit ihrer Sanierungspläne zu stärken.
Effektive Tests zeichnen sich durch eine mehrjährige Roadmap, klare Ziele und die Weitergabe von Erkenntnissen an das Top-Management aus.
Auch gut strukturierte Pläne profitieren von den gewonnenen Lektionen, die die Reaktionsfähigkeit in Krisen verbessern.
Lehren aus der Vergangenheit, Blick nach vorn
Die Bedeutung der praktischen Erprobung von Sanierungsplänen hat in den letzten Jahren zugenommen.
Banken und Aufsichtsbehörden haben fast ein Jahrzehnt Erfahrung in der Erstellung und Bewertung solcher Pläne gesammelt.
Zudem wurde der regulatorische Rahmen für die Sanierungsplanung konsolidiert, etwa durch aktualisierte EBA-Leitlinien zu Indikatoren und zur Bewertung der gesamten Sanierungsfähigkeit.
Die Ereignisse des Jahres 2023, darunter die Fälle von Credit Suisse und US-Regionalbanken, unterstrichen die kritische Bedeutung glaubwürdiger und zeitnah umsetzbarer Sanierungsoptionen.
Auch geopolitische Entwicklungen mahnen zur anhaltenden Vorsorge.
Die EBA untersuchte für ihren Bericht die Praktiken von 16 europäischen grenzüberschreitenden Bankengruppen aus zehn EU-Ländern, mit Fokus auf Durchführung, Häufigkeit, Umfang und Herausforderungen der 'Dry Runs'.
Reifegrad entscheidet über Mehrwert
Der EBA-Bericht bestätigt die Wirksamkeit von Krisentests, offenbart aber auch erhebliche Reifegradunterschiede zwischen den Instituten.
Dies deutet darauf hin, dass viele Banken die Übungen noch als reine Compliance-Aufgabe betrachten, statt ihr volles Potenzial als strategisches Managementinstrument zu nutzen.
Die EBA liefert zwar wertvolle Benchmarks, doch die wahre Herausforderung liegt nun in der konsequenten Implementierung und Integration dieser 'Good Practices' in die Unternehmenskultur.