Bulgariens Euro-Beitritt verändert EZB-Kapital und Stimmrechte
Bulgarien ist seit dem 1. Januar 2026 Mitglied der Eurozone. Die Bulgarische Nationalbank (BNB) wurde damit Vollaktionär der EZB, und ihr Gouverneur nimmt nun einen Sitz im EZB-Rat ein.
Kapitalerhöhung und neue Pflichten
Die EZB finanziert sich über eigenes Kapital, das von den nationalen Zentralbanken (NZBen) der EU gezeichnet wird.
Bulgariens Beitritt zum Eurosystem am 1. Januar 2026 hatte direkte Auswirkungen auf diese Struktur.
Das gezeichnete Gesamtkapital der EZB beträgt 10,8 Milliarden Euro, wobei der Anteil der Bulgarischen Nationalbank (BNB) 0,9783 Prozent oder 105,9 Millionen Euro ausmacht.
Vor dem Beitritt hatte die BNB nur 3,75 Prozent ihres Anteils, rund 4 Millionen Euro, eingezahlt.
Mit dem Übergang zur Eurozone musste die BNB die verbleibenden 96,25 Prozent, also 101,9 Millionen Euro, entrichten.
Dadurch stieg das eingezahlte Kapital der EZB auf insgesamt 9 Milliarden Euro.
Als Vollaktionär ist die BNB nun voll gewinnberechtigt und haftet auch für Verluste.
Sie erhält zudem Erträge aus geldpolitischen Operationen und hat Fremdwährungsreserven an die EZB übertragen.
Rotation der Stimmrechte im EZB-Rat
Gouverneur Dimitar Radev aus Bulgarien ist nun Mitglied des EZB-Rates, dem obersten geldpolitischen Entscheidungsgremium.
Der Rat umfasst jetzt sechs Direktoriumsmitglieder und 21 Gouverneure der nationalen Zentralbanken des Euroraums.
Das seit 2015 etablierte rotierende Stimmrechtssystem, das 15 Stimmen unter den Gouverneuren verteilt, wird durch Bulgariens Beitritt angepasst.
Die Gouverneure sind in zwei Gruppen unterteilt, wobei die zweite Gruppe der kleineren Länder nun 16 Mitglieder zählt, die sich elf Stimmen teilen.
Dies erhöht die Häufigkeit, mit der einzelne Gouverneure vorübergehend auf ihr Stimmrecht verzichten müssen.
Bei spezifischen Entscheidungen über Kapitalfragen der EZB sind die Stimmen nach dem Anteil am eingezahlten Kapital gewichtet, wobei die Direktoriumsmitglieder kein Stimmrecht haben.
BNBs Anteil reduziert hier die relativen Stimmgewichte der anderen 20 NZBen leicht.
Mehr als nur ein Stimmchen
Bulgariens Beitritt ist mehr als eine technische Anpassung; er symbolisiert die fortlaufende Integration Europas.
Die Anpassung von Kapital und Stimmrechten zeigt die dynamische Natur der Eurozone und ihre Fähigkeit zur Evolution.
Für die EZB bedeutet jede Erweiterung eine erneute Justierung ihrer komplexen Governance-Mechanismen, um Stabilität und Effizienz zu wahren.