Zwei Energiekrisen: Startbedingungen entscheidend
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Zwei Energiekrisen: Startbedingungen entscheidend

Die aktuelle Energiekrise trifft die Eurozone in einer besseren Verfassung als 2022. Eine EZB-Analyse zeigt, wie die Ausgangslage die Inflationsentwicklung beeinflusst.

Öl statt Gas: Ein anderer Schock

Die aktuelle Energiekrise, ausgelöst durch den Krieg im Nahen Osten und die Schließung der Straße von Hormus, unterscheidet sich grundlegend von der Episode nach Russlands Invasion der Ukraine 2022.

Während 2022 vor allem Gaslieferungen betroffen waren und Europa unvorbereitet traf, ist der Schock 2026 primär ölbasiert.

Die Rohölpreise stiegen schneller, und der Druck auf raffinierte Ölprodukte wie Diesel war stärker als 2022.

Gleichzeitig dämpft der gestiegene Anteil erneuerbarer Energien die direkte Sensitivität der Verbraucherpreise gegenüber Großhandelsstrompreisen.

Im Mai 2026 lag die Inflation in der Eurozone bei 3,2 Prozent, während sie Anfang 2022 noch bei 5-6 Prozent lag und beschleunigte.

Ein niedrigeres Ausgangsniveau der Inflation reduziert das Risiko einer überproportionalen Reaktion von Preis- und Lohnsetzern.

Allerdings übertragen sich Ölpreisschocks schneller auf die Verbraucherpreise als Gasschocks.

Zudem ist der aktuelle Schock globaler Natur, was stärkere indirekte Effekte entlang globaler Wertschöpfungsketten verursachen kann.

Gedämpfte Nachfrage, lockerer Arbeitsmarkt

Die makrofinanziellen Startbedingungen spielen eine Schlüsselrolle.

Im Gegensatz zu 2022, als die globale und binnenländische Nachfrage robust war, deuteten die Neuaufträge 2026 auf eine gedämpfte Nachfrage hin.

Die Arbeitsmarktlage hat sich entspannt: Die Zahl der offenen Stellen sank auf das Vor-Pandemie-Niveau von 2,2 Prozent im ersten Quartal 2026, und das Arbeitskräfteangebot verbesserte sich.

Dies führte zu einem Rückgang der gemeldeten Arbeitskräftemängel und einer moderaten Lohnentwicklung.

Die fiskalische und geldpolitische Ausrichtung war 2026 weitgehend neutral, im Gegensatz zur stark akkommodierenden Politik 2022.

Der fiskalische Spielraum ist heute zudem begrenzter, was die Kapazität der Regierungen zur Unterstützung einschränkt.

Vorsichtiger Optimismus, aber Risiken bleiben

Obwohl die Eurozone die aktuelle Energiekrise mit besseren Startbedingungen bewältigt, bleiben signifikante Inflationsrisiken bestehen.

Die globale Natur des Schocks und der begrenzte fiskalische Spielraum könnten eine stärkere und länger anhaltende Wirkung entfalten als erwartet.

Zudem könnte die jüngste Erfahrung mit hoher Inflation die Erwartungen von Haushalten und Unternehmen beeinflussen, was eine genaue Beobachtung der Dynamik erfordert.