Banken verschärfen Kreditstandards im Euroraum
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Banken verschärfen Kreditstandards im Euroraum

Die Banken im Euroraum haben im ersten Quartal 2026 ihre Kreditstandards für alle Darlehenskategorien verschärft. Gleichzeitig sank die Nachfrage nach Krediten von Unternehmen und Haushalten.

Risikowahrnehmung treibt Kreditbremse

Die Banken im Euroraum haben im ersten Quartal 2026 ihre Kreditstandards – interne Richtlinien für die Kreditvergabe – für alle Darlehenskategorien weiter verschärft.

Für Unternehmenskredite betrug die Nettoverschärfung 10 Prozent der Banken, was über den Erwartungen der Vorumfrage lag und die stärkste Verschärfung seit dem dritten Quartal 2023 darstellt.

Auch für Wohnungsbaukredite gab es eine leichte Nettoverschärfung (2 Prozent), während Konsumentenkredite mit 15 Prozent deutlich stärker betroffen waren.

Haupttreiber waren höhere Risikowahrnehmungen hinsichtlich der Wirtschaftsaussichten und eine geringere Risikotoleranz der Banken.

Geopolitische und energiebezogene Entwicklungen übten zusätzlichen Druck aus, wobei einige Banken spezifische Verschärfungen für energieintensive Unternehmen und Engagements im Nahen Osten meldeten.

Die niedrigere Risikotoleranz und höhere Risikowahrnehmung waren auch die Hauptursachen für die Verschärfung bei Konsumentenkrediten.

Für das zweite Quartal 2026 erwarten die Banken eine weitere, ausgeprägtere Nettoverschärfung der Kreditstandards für alle Kreditarten.

Nachfrage sinkt, Finanzierung wird teurer

Parallel zur Verschärfung der Kreditstandards verzeichneten die Banken im ersten Quartal 2026 einen leichten Netto-Rückgang der Nachfrage nach Unternehmenskrediten (minus 2 Prozent), entgegen den Erwartungen einer Zunahme.

Dieser Rückgang wurde hauptsächlich durch geringere Nachfrage nach Finanzierungen für Sachinvestitionen verursacht.

Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten blieb unverändert (0 Prozent), was schwächer war als erwartet, beeinflusst durch sinkendes Verbrauchervertrauen und die Zinsentwicklung.

Die Nachfrage nach Konsumentenkrediten sank stark (minus 11 Prozent), reflektierend geringere Ausgaben für langlebige Güter und ein schwächeres Verbrauchervertrauen.

Für das zweite Quartal 2026 prognostizieren die Banken weitere Rückgänge der Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten (minus 20 Prozent) und Konsumentenkrediten (minus 9 Prozent).

Zudem verschlechterte sich der Zugang der Banken zu Schuldtiteln, Geldmärkten und Verbriefungen im ersten Quartal 2026, was die Finanzierungskosten potenziell erhöht.

Doppelte Bremse für die Wirtschaft

Die Ergebnisse der Bankenbefragung zeichnen ein klares Bild einer sich verlangsamenden Kreditvergabe, die die wirtschaftliche Aktivität im Euroraum weiter dämpfen könnte.

Die Kombination aus strengeren Kreditstandards und sinkender Nachfrage signalisiert eine doppelte Bremse für Investitionen und Konsum, was die EZB vor eine schwierige geldpolitische Abwägung stellt.

Der geringe Beitrag der Verbriefung zur Lockerung der Kreditstandards unterstreicht zudem die strukturellen Herausforderungen im Finanzsystem.

Quelle: April 2026 euro area bank lending survey

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