EZB-Studie: Banken stärken Marktmacht bei Einlagen
Eine neue EZB-Studie untersucht die Preisgestaltung von Bankeinlagen im Euroraum von 2007 bis 2024. Sie zeigt einen geringen Pass-Through von Leitzinsen auf Einlagen und eine zunehmende Marktmacht der Banken.
Träge Einlagenzinsen, starke Banken
Die Weitergabe von Leitzinsänderungen an die Einlagenzinsen im Euroraum ist gering, asymmetrisch und nimmt über die Zeit ab.
So lag der langfristige Pass-Through für Sichteinlagen von Haushalten bei nur 0,247, und sank während des Zinserhöhungszyklus 2022-2024 auf etwa 0,1. Die Studie belegt, dass zinsreagible Einleger – vor allem einkommensstärkere Haushalte und umsatzstärkere Unternehmen – zunehmend in höher verzinste Anlageprodukte wechselten.
Dies reduzierte die durchschnittliche Zinsreagibilität des verbleibenden Pools an Sichteinlagen und erhöhte die Marktmacht der Banken, was den trägen Anstieg der Einlagenzinsen nach den EZB-Leitzinserhöhungen 2022 erklärt.
Die Preisempfindlichkeit der Einleger variiert stark zwischen Haushalten und Unternehmen sowie über Länder und Zeiträume hinweg.
Folgen für Geldpolitik und Stabilität
Die Ergebnisse haben wichtige Implikationen für die geldpolitische Transmission: Die Wirksamkeit des Einlagenkanals hängt nicht nur vom aktuellen Leitzinsniveau ab, sondern auch von dessen jüngster Historie.
Eine Normalisierung der Geldpolitik nach einer längeren Phase niedriger Zinsen löst eine Verschiebung in der Einlegerbasis aus, die den Pass-Through der Einlagenzinsen schwächt.
Für die Finanzregulierung und Wettbewerbspolitik deutet die Studie darauf hin, dass Interventionen, die ausschließlich auf die Marktstruktur abzielen, nur geringe Auswirkungen auf die Einlagenpreise haben könnten.
Stattdessen könnten Maßnahmen zur Verbesserung der Finanzkompetenz der Einleger oder zur Steigerung des Bewusstseins für alternative Sparprodukte effektiver sein.
Zudem birgt die zunehmende Abhängigkeit der Banken von einer Kerngruppe träger Einleger unvorhersehbare Risiken für die Finanzstabilität in Stressphasen.
Das Paradox der Zinsweitergabe
Diese Studie beleuchtet eine zentrale, oft übersehene Dynamik in der geldpolitischen Transmission, die traditionelle Annahmen in Frage stellt.
Sie zeigt, dass die Reaktion der Einlagenzinsen nicht nur von Banken, sondern maßgeblich vom Verhalten der Einleger abhängt.
Die zunehmende Marktmacht der Banken bei Sichteinlagen könnte die Wirksamkeit zukünftiger geldpolitischer Straffungen beeinträchtigen und neue Risiken für die Finanzstabilität schaffen.
Quelle: Bank deposit pricing in the euro area
IN: