Bankkredite an NBFIs verdrängen Firmenkredite
Eine neue EZB-Studie zeigt: Bankkredite an Nichtbanken-Finanzinstitute (NBFIs) verdrängen Kredite an die Realwirtschaft. NBFIs nutzen diese Mittel primär zur Finanzierung von Wertpapieren, nicht zur Weitergabe an Unternehmen.
Verdrängung statt Weiterleitung
Banken im Euroraum verlagern ihre Kreditvergabe zunehmend auf Nichtbanken-Finanzinstitute (NBFIs).
Eine neue Studie der EZB-Ökonomen Jian Li, Yiming Ma, Caterina Mendicino und Dominik Supera analysiert diese Entwicklung anhand granularer Aufsichts- und Kreditdaten.
Sie belegen, dass das Wachstum der Bankkredite an NBFIs primär durch Reverse Repos getrieben wird, die zur Finanzierung von Wertpapieren – insbesondere Staatsanleihen – dienen.
NBFIs wie Hedgefonds und Investmentfonds nutzen diese Mittel, um ihre Wertpapierpositionen zu finanzieren, anstatt Kredite an Unternehmen der Realwirtschaft zu vergeben.
Dieser Trend führt dazu, dass Banken, die ihre Engagements gegenüber NBFIs ausweiten, ihre direkte Kreditvergabe an nicht-finanzielle Unternehmen signifikant stärker reduzieren als ihre Bestände an anderen Aktiva wie Staatsanleihen oder Reserven.
Die Studie quantifiziert, dass eine Erhöhung der NBFI-Kredite um einen Prozentpunkt mit einem Rückgang der Firmenkredite um etwa 0,55 Prozentpunkte einhergeht.
Dies deutet auf eine Netto-Reduktion der Kreditversorgung für die Realwirtschaft hin.
Engere Geschäftsmodelle, weniger Firmenkredite
Die Verlagerung der Bankkredite hin zu NBFIs wird durch eine erhöhte Nachfrage der NBFIs nach Wertpapierfinanzierung angetrieben, insbesondere im Kontext des Auslaufens der quantitativen Lockerung und des gestiegenen Angebots an Staatsanleihen.
Gleichzeitig verstärken Kapital- und Liquiditätsbeschränkungen der Banken diesen Trend, da Kredite an NBFIs oft sicherer, liquider und mit geringeren regulatorischen Kosten verbunden sind als direkte Kredite an Unternehmen.
Diese Umverteilung hat reale Auswirkungen: Unternehmen, deren Hausbanken die Kreditvergabe an NBFIs erhöhten, verzeichneten größere Kreditrückgänge.
Besonders betroffen sind kleinere und risikoreichere Firmen, die nur begrenzten Zugang zu marktbasierter Finanzierung haben und verlorene Bankkredite schwer ersetzen können.
Ein Warnsignal für die Realwirtschaft
Diese Studie entlarvt die Illusion, dass Bankkredite an NBFIs einfach nur eine Umleitung von Finanzmitteln darstellen.
Stattdessen führt die Verlagerung zu einer spürbaren Verknappung der Kreditversorgung für die Realwirtschaft, mit ernsten Folgen für kleinere und risikoreichere Unternehmen.
Regulierungsbehörden müssen dringend handeln, um diese Entwicklung zu steuern und die geldpolitische Transmission zu sichern.