Barrieren zur Bankenunion: 1,6 Prozent BIP-Verlust
Eine neue EZB-Studie quantifiziert die Barrieren für grenzüberschreitende Bankgeschäfte im Euroraum. Diese Fragmentierung kostet die Eurozone bis zu 1,6 Prozent des BIP.
Beziehungen wichtiger als Zinsen
Die Studie misst Barrieren für grenzüberschreitende Kreditvergabe an Unternehmen im Euroraum.
Dabei werden drei Arten von Hindernissen unterschieden: die Bildung von Kreditbeziehungen, die Kreditpreisgestaltung und die Niederlassungsentscheidungen von Banken.
Die größten Hürden bestehen bei der Anbahnung von grenzüberschreitenden Bank-Kunden-Beziehungen.
Es ist für Unternehmen deutlich schwieriger, eine Beziehung zu einer Bank in einem anderen Land aufzubauen als zu einer inländischen.
Sobald eine Beziehung besteht, sind die Unterschiede bei Zinssätzen und Kreditvolumen jedoch vergleichsweise gering.
Dies deutet darauf hin, dass das Hauptproblem nicht in höheren Zinsen, sondern in der Seltenheit solcher Beziehungen liegt.
Die Forscher nutzen detaillierte Kreditdaten aus dem europäischen Kreditregister AnaCredit und Informationen zu Bankengruppen aus RIAD.
Die geschätzten Barrieren korrelieren stark mit Unterschieden in nationalen Bankenregulierungen, gemessen anhand eines neuen Datensatzes zu regulatorischen Distanzen.
Dies unterstreicht die Rolle der regulatorischen Fragmentierung als wichtiges Hindernis für einen integrierten Bankenmarkt.
Modell zeigt ungleiche Gewinner
Die Autoren betten ihre Schätzungen in ein quantitatives räumliches allgemeines Gleichgewichtsmodell ein, das heterogene Banken und Unternehmen berücksichtigt.
Das Modell simuliert die Auswirkungen einer teilweisen Reduzierung der Reibungsverluste.
Eine Senkung der Barrieren für grenzüberschreitende Beziehungspflege um 10 Prozent würde das BIP des Euroraums um rund 1,6 Prozent steigern.
Diese Gewinne sind jedoch ungleich verteilt: Kleinere und stärker finanzintegrierte Volkswirtschaften wie Irland, Luxemburg und die Niederlande profitieren überproportional, während die Zuwächse in Südeuropa geringer ausfallen.
Der Hauptmechanismus hinter diesen Gewinnen ist der breitere Zugang zu Finanzintermediären, der die effektiven Kapitalkosten der Unternehmen senkt und so Investitionen und Arbeitsnachfrage ankurbelt.
Die Verbesserung der Allokationseffizienz spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Breiter Zugang schlägt Umverteilung
Die Ergebnisse stellen die konventionelle Annahme in Frage, dass Finanzintegration primär die Kreditallokation zu produktiveren Unternehmen verbessert.
Stattdessen zeigen die Autoren, dass der breitere Zugang zu Finanzintermediären der primäre Treiber für Wachstum ist.
Dies liefert eine neue Perspektive für die Vollendung der Bankenunion und die Stärkung der europäischen Finanzintegration.
Quelle: Barriers to a European Banking Union
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