Ungleichheit prägt globale Effekte der US-Geldpolitik
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Ungleichheit prägt globale Effekte der US-Geldpolitik

Ein neues EZB-Working Paper zeigt, dass Einkommensungleichheit die globalen Auswirkungen der US-Geldpolitik maßgeblich beeinflusst. Die Studie analysiert Daten aus 87 Ländern von 1966 bis 2020.

Ungleichheit: Verstärker in AEs, Dämpfer in EMEs

Ein neues Working Paper der EZB liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Einkommensungleichheit die globalen Auswirkungen der US-Geldpolitik auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausländischer Volkswirtschaften beeinflusst.

Die Autoren Simone Arrigoni und Massimo Ferrari Minesso belegen empirisch, dass das BIP bis zu anderthalbmal stärker schrumpft, wenn die Ungleichheit über dem Durchschnitt liegt.

Entscheidend ist jedoch die Richtung des Effekts: Während höhere Ungleichheit die negativen Spillover-Effekte in fortgeschrittenen Volkswirtschaften (AEs) verstärkt, mildert sie diese in Schwellenländern (EMEs).

Diese Divergenz wird durch Unterschiede in der Beteiligung an internationalen Finanzmärkten erklärt.

Haushalte in Schwellenländern haben größere Hürden für internationale Investitionen, was ihre Fähigkeit einschränkt, Portfolios nach einem Schock in höher rentierliche ausländische Anleihen umzuschichten.

Die Studie analysiert Daten aus 87 Ländern von 1966 bis 2020 mittels zustandsabhängiger lokaler Projektionen.

Finanzmarkt-Zugang als Schlüssel

Zur Erklärung dieser konträren Muster entwickelten die Forscher ein Drei-Länder-Modell, das zwischen finanziell eingeschränkten und uneingeschränkten Haushalten unterscheidet.

Steigen die US-Zinsen, verlagern uneingeschränkte Haushalte ihre Anlagen in US-Vermögenswerte, die nun höhere Renditen bieten.

Dies führt zu Kapitalabflüssen und verschärft die Finanzierungsbedingungen.

In fortgeschrittenen Volkswirtschaften, wo der Zugang zu globalen Finanzmärkten weit verbreitet ist, verstärkt höhere Ungleichheit diesen Effekt.

In Schwellenländern ist der Zugang zu internationalen Finanzmärkten oft begrenzter.

Viele Haushalte können ihre Investitionen nicht ins Ausland verlagern, wodurch der Kanal für Kapitalabflüsse schwächer ist und die Übertragung der US-Geldpolitik gedämpft wird.

Ungleichheit: Mehr als nur eine soziale Frage

Die Studie unterstreicht, dass Einkommensungleichheit weit über eine soziale Frage hinausgeht und ein entscheidender makroökonomischer Faktor ist.

Sie prägt maßgeblich, wie Volkswirtschaften auf globale Schocks und die US-Geldpolitik reagieren.

Die Erkenntnisse legen nahe, dass Maßnahmen zur Verbesserung der finanziellen Inklusion und des Marktzugangs die Anfälligkeit eines Landes gegenüber internationalen Finanzbedingungen beeinflussen können.