Golf-Lieferketten: Risiken jenseits der Energiepreise
Engpässe in der Straße von Hormus könnten globale Lieferketten weit über Energiepreise hinaus belasten. Eine EZB-Analyse zeigt, wie sich Versorgungsstörungen auf Wachstum und Inflation auswirken.
Asien am stärksten betroffen, Eurozone nicht immun
Die globale Wirtschaft ist anfällig für Handelsunterbrechungen in der Straße von Hormus, die über reine Energiepreiseffekte hinausgehen.
Eine EZB-Bloganalyse zeigt, dass anhaltende Engpässe bei Energieimporten aus den Golfstaaten bis zu 3 Prozent der Produktion im Euroraum gefährden könnten.
Die Abhängigkeit von Golf-Energielieferungen ist in Asien am höchsten, wo Länder wie Japan, Südkorea und Indien über 50 Prozent ihrer Energieimporte aus dieser Region beziehen.
Für den Euroraum, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten liegt dieser Wert bei etwa 10 Prozent.
Besonders anfällig sind energieintensive Industrien wie Petrochemie, Aluminium, Düngemittel und Halbleiter, von denen sich Störungen über globale Produktionsnetzwerke ausbreiten könnten.
Auch wenn die Spannungen zuletzt nachgelassen haben, bleibt die Straße von Hormuz ein kritischer Engpass für die globale Energieversorgung.
Modellierung von Energie- und breiten Störungen
Die Studie quantifiziert Risiken mittels zweier Szenarien: einer Störung der Energielieferungen und einem breiteren Szenario, das auch industrielle Güter wie Düngemittel und Helium umfasst.
Im ersten Fall wird eine vollständige und anhaltende Unterbrechung der Energieexporte aus der Golfregion angenommen, ohne dass strategische Reserven zur Verfügung stehen.
Das zweite Szenario erweitert dies auf nicht-energetische Güter, bei denen die Substituierbarkeit noch begrenzter ist.
Die dynamischen Simulationen zeigen, dass Energieengpässe das BIP senken und die Inflation erhöhen könnten, wobei China aufgrund seiner stärkeren Exposition gegenüber Golf-Öl- und Gasimporten am stärksten betroffen wäre.
Die größten Auswirkungen auf das BIP und die Inflation werden für 2027 prognostiziert, mit spürbaren Effekten bereits 2026 und anhaltender Inflation bis 2028.
Im Euroraum könnte das BIP-Wachstum 2026 und 2027 um 0,3 Prozentpunkte niedriger ausfallen, die Inflation 2027 um 0,9 Prozentpunkte höher liegen.
Umfassende Risikobewertung unerlässlich
Die Analyse offenbart eine unterschätzte Dimension geopolitischer Risiken, die weit über direkte Energiepreiseffekte hinausgeht.
Sie zwingt Zentralbanken und Regierungen, die Resilienz globaler Lieferketten neu zu bewerten und Notfallpläne zu schärfen.
Eine rein preisbasierte Inflationsanalyse greift zu kurz; physische Engpässe erfordern angepasste geldpolitische Reaktionen.