EZB-Studie: Anleihefonds gehen bei lockerer Geldpolitik höhere Risiken ein
Eine EZB-Studie zeigt, dass Anleihefonds bei akkommodierender Geldpolitik höhere Risiken eingehen. Insbesondere unkonventionelle Maßnahmen und die US-Geldpolitik verstärken diesen Effekt global.
Globale Risikobereitschaft durch lockere Geldpolitik
Eine neue Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) identifiziert einen marktgestützten Risikobereitschaftskanal der Geldpolitik.
Akkommodierende Maßnahmen der Fed und der EZB führen zu erhöhten Risiken in den Portfolios von Anleihefonds, gemessen am gewichteten durchschnittlichen Kreditrating.
Dieser Effekt ist bei längerfristigen Anlagen stärker ausgeprägt und bei unkonventioneller Geldpolitik (UMP) signifikanter als bei reinen Zinsanpassungen.
Eine Reduzierung des Fed-Schattenzinssatzes um einen Prozentpunkt führt zu einem Rückgang des durchschnittlichen Kreditratings der Fondsportfolios.
Zwischen 2019 und 2022 impliziert eine Senkung des Fed-Schattenzinssatzes um sechs Prozentpunkte einen Rückgang von 0,45 Noten im gewichteten Durchschnittsrating.
Bei 10-jährigen Anleihen fällt das Rating sogar um 0,6 Noten.
Die Geldpolitik der Fed hat dabei einen stärkeren Einfluss auf die Risikobereitschaft der Fonds als die der EZB, was die globale Dominanz der US-Geldpolitik unterstreicht.
Implikationen für die Finanzstabilität
Die Studie leitet drei zentrale Implikationen ab.
Die stärkere grenzüberschreitende Wirkung der Fed-Geldpolitik auf Anleihefonds im Euroraum ist auf deren hohe Bestände an US-Wertpapieren zurückzuführen, da sichere europäische Anlagen knapp sind.
Eine Erhöhung des Angebots an europäischen sicheren Vermögenswerten könnte die Transmission der EZB stärken.
Zudem fördert expansive Geldpolitik eine höhere Risikobereitschaft bei längerfristigen Anlagen, was die Überwachung der Fälligkeitsstrukturen für die makroprudentielle Aufsicht entscheidend macht.
Unkonventionelle Geldpolitik verstärkt diesen Risikokanal stärker als Zinspolitik, was die überproportionalen Effekte auf Nichtbanken-Finanzintermediäre (NBFIs) unterstreicht.
NBFIs erreichten 2023 in G20-Ländern 196 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten.
US-Dominanz: Ein Weckruf für den Euroraum
Diese Studie legt die strukturelle Anfälligkeit des Euroraums gegenüber externen Schocks offen.
Die Dominanz der US-Geldpolitik und die Knappheit sicherer europäischer Anlagen sind hierfür entscheidend.
Eine Stärkung des Angebots an europäischen sicheren Vermögenswerten ist daher dringend geboten.
Quelle: Bond funds’ risk taking and monetary policy
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