Vujčić: Euro-Erfolg durch Konvergenz und Disziplin
EZB-Vizepräsident Boris Vujčić beleuchtet den Erfolg der Währungsunion. 21 Länder teilen den Euro dank Konvergenzkriterien und institutioneller Anpassung, was seine Attraktivität unterstreicht.
Vom Skeptiker zum Erfolgsmodell
Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) galt in den frühen 1990er Jahren als ambitioniert und unsicher.
Viele Ökonomen zweifelten an der Fähigkeit unterschiedlicher europäischer Volkswirtschaften, eine gemeinsame Währung erfolgreich zu teilen.
Heute, mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Euro-Einführung, hat sich die Zahl der Mitgliedsländer auf 21 fast verdoppelt.
Über 350 Millionen Europäer nutzen den Euro täglich, und er hat sich als zweitwichtigste Währung im internationalen Handel und Finanzwesen etabliert.
Dieser Erfolg basiert auf einem gemeinsamen Rahmenwerk, das Stabilität und Konvergenz fördert.
Die Gründerväter verankerten Konvergenzkriterien im Maastricht-Vertrag, um eine ausreichende Angleichung und politische Disziplin sicherzustellen.
Dazu gehören Preisstabilität, solide öffentliche Finanzen, langfristige Zinskonvergenz und Wechselkursstabilität.
Wechselkurs-Warteraum als Trainingslager
Das Europäische Wechselkurssystem (ERM II) ist ein zentrales Element der Konvergenz.
Es wird oft als „Warteraum“ für die Euro-Einführung bezeichnet, ist aber eher ein „Trainingsraum“, in dem Länder ihre Bereitschaft zur Währungsunion unter Beweis stellen.
ERM II erfordert eine mindestens zweijährige erfolgreiche Teilnahme und eine gemeinsame Verpflichtung der Zentralbanken, Wechselkursschwankungen gegenüber dem Euro zu begrenzen.
Dieses System hat sich seit 1997 als robust und flexibel erwiesen, selbst bei der Integration von Ländern mit sehr unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen und Entwicklungsebenen wie den baltischen Staaten, der Slowakei, Kroatien und Bulgarien.
Die Slowakei zeigte beispielsweise, wie der Rahmen durch zweimalige Aufwertung der Koruna auf starke Wirtschaftsleistung reagieren konnte.
Auch die Euro-Einführung Kroatiens 2023 und Bulgariens 2026 inmitten der Pandemie und geopolitischer Unsicherheiten demonstrierte die Widerstandsfähigkeit des Konvergenzrahmens.
Regeln und Realität: Ein Erfolgsrezept
Die europäische Erfahrung zeigt, dass eine Währungsunion mehr als nur nominale Konvergenz erfordert; sie braucht auch institutionelle Kapazität zur Schockabsorption.
Die Finanzkrise führte zu wichtigen Reformen wie der Bankenunion, die das ursprüngliche Konvergenzmodell ergänzten.
In einer Ära erhöhter geopolitischer Unsicherheit beweist die EWU den Wert stabiler Institutionen und glaubwürdiger Regeln.
Ihr kontinuierliches Wachstum ist ein starkes Zeugnis für die anhaltende Attraktivität des Euro.