Vujčić: Eurozone-Wirtschaftsausblick mit Inflationsrisiken
Boris Vujčić, Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank, präsentierte den Ausblick für die Wirtschaft der Eurozone. Die Juni-Projektionen zeigen moderate Wachstumsaussichten, aber anhaltende Inflationsdrucke und geopolitische Risiken.
Moderate Erholung, hartnäckige Inflation
Die Eurosystem-Mitarbeiterprojektionen vom Juni 2026 skizzieren ein Bild moderater Erholung für die Eurozone.
Das reale BIP-Wachstum wird von privatem Konsum und Investitionen getragen, während Änderungen in Lagerbeständen und Nettoexporte geringere Beiträge leisten.
Im Vergleich zu den März-Projektionen gab es leichte Revisionen.
Die Headline-Inflation (HVPI) wird für 2026 bei 2,9 Prozent, für 2027 bei 1,8 Prozent und für 2028 bei 1,8 Prozent erwartet.
Die Kerninflation (HVPI ohne Energie und Nahrungsmittel) liegt bei 2,4 Prozent (2026), 2,3 Prozent (2027) und 2,1 Prozent (2028).
Energiepreise, insbesondere Öl und Gas, zeigen in verschiedenen Szenarien (Baseline, Adverse, Severe, Milder) erhebliche Volatilität und bleiben ein Unsicherheitsfaktor für den Inflationspfad.
Die Projektionen basieren auf einem Stichtag vom 21. Mai 2026.
Arbeitsmarkt stabil, Konsum verhalten
Die Umfrageindikatoren für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor zeigen gemischte Signale, wobei die zukünftige Aktivität und neue Aufträge auf eine verhaltene Dynamik hindeuten.
Die Verbraucherstimmung bleibt gedämpft, während die Unsicherheit hoch ist und die Erwartungen an die Arbeitslosigkeit steigen.
Auf dem Arbeitsmarkt ist die Arbeitslosenquote im ersten Quartal 2026 stabil geblieben, begleitet von einem moderaten Beschäftigungswachstum.
Indikatoren wie die LinkedIn-Einstellungsrate und der PMI-Beschäftigungsindex deuten auf eine leichte Abschwächung der Dynamik hin.
Die Inflationserwartungen der Konsumenten (ECB CES) und der monetären Analysten (SMA) liegen über den kurzfristigen Projektionen, was auf eine gewisse Persistenz des Preisdrucks hindeutet.
Die Lohnentwicklung und der BIP-Deflator zeigen weiterhin Aufwärtsdruck, insbesondere durch die Lohnstückkosten.
Geopolitik als Inflationsmotor
Die präsentierten Szenarien zum Nahostkonflikt verdeutlichen die erheblichen Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wachstum.
Insbesondere das 'Severe Scenario' mit einem stärkeren Anstieg des VIX und anhaltenden Energieversorgungsengpässen könnte die Inflationsziele der EZB deutlich gefährden.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer datenabhängigen und flexiblen Geldpolitik, die auf externe Schocks reagieren kann.
Die EZB bleibt in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit gefordert, ihre Glaubwürdigkeit zu wahren und Preisstabilität zu sichern.