Lagarde: Fakten gegen Klima-Lärm – Zentralbanken gefordert
EZB-Präsidentin Christine Lagarde eröffnete eine Konferenz zu Klima, Natur und Geldpolitik. Sie betonte die Notwendigkeit unparteiischer, faktenbasierter Analysen, um die Risiken zu verstehen und politische 'Geräusche' zu durchdringen.
Klima-Wissen wächst, Architektur auch
In den letzten zehn Jahren hat sich das Verständnis, wie der Klimawandel das makroökonomische Umfeld beeinflusst, erheblich vertieft.
Extreme Wetterereignisse können verschiedene Wirtschaftsbereiche unterschiedlich treffen.
So erhöhte die Hitzewelle des letzten Sommers die Preise für unverarbeitete Lebensmittel im Euroraum um bis zu 0,7 Prozentpunkte.
Gleichzeitig können Dürren oder Überschwemmungen die regionale Wirtschaftsleistung langfristig um rund 3 Prozentpunkte mindern.
Auch die Dekarbonisierung prägt das Umfeld: Die Einführung von ETS2, das den CO2-Preis auf Gebäude und Straßenverkehr ausweitet, wird die Inflation im Euroraum 2028 voraussichtlich um 0,2 Prozentpunkte erhöhen.
Dieses wachsende Wissen bildet die Grundlage für neue Netzwerke und Rahmenwerke.
Vom Erkennen zur Integration
Das Netzwerk für die Ökologisierung des Finanzsystems (NGFS), 2017 mit acht Mitgliedern gestartet, umfasst heute über 150 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden.
Es ist zu einem Motor des kollektiven Lernens geworden, wie die immer ausgefeilteren Klimaszenarien zeigen.
Innerhalb der EZB erfolgte eine Entwicklung vom Erkennen zur Integration: Die Strategieüberprüfung von 2021 verankerte die systematische Berücksichtigung des Klimawandels in der Geldpolitik.
Eine Bewertung im letzten Jahr erweiterte dieses Engagement auf Naturrisiken.
Jüngste Studien, etwa in Zusammenarbeit mit der London School of Economics, zeigten, dass extreme Wasserknappheit bis zu 24 Prozent der Wirtschaftsleistung des Euroraums gefährden könnte.
Fakten gegen den Lärm
Trotz wachsenden Wissens hinkt die globale Reaktion auf Klima- und Naturrisiken hinterher – ein beunruhigendes Paradoxon.
Der Klimawandel ist zum parteiischen Thema geworden, doch Europas Energieabhängigkeit zeigt die mangelnde Nachhaltigkeit des Status quo.
Unparteiische, faktenbasierte Analysen der Zentralbanken sind entscheidend, um Signale vom politischen Lärm zu trennen und die Dringlichkeit zu verdeutlichen.