Lagarde: Zinserhöhung richtig, Zinspfad bleibt offen
EZB-Präsidentin Christine Lagarde verteidigt die jüngste Zinserhöhung als notwendig und betont die Datenabhängigkeit für künftige geldpolitische Schritte. Sie äußert sich zudem zum Digitalen Euro und warnt vor neuen Risiken durch Künstliche Intelligenz.
Inflationstreiber und Zinsschritte
EZB-Präsidentin Christine Lagarde verteidigte in einem Interview mit Les Échos die Zinserhöhung vom 11. Juni als richtige Entscheidung.
Alle seither eingegangenen Daten hätten die Analyse des EZB-Rates bestätigt, wonach ein externer Angebotsschock die Wirtschaft belaste.
Die Kerninflation beschleunigte sich von 2,2 auf 2,5 Prozent, wobei Dienstleistungspreise um 3,5 Prozent stiegen – über den prognostizierten 3 Prozent.
Die Inflationsprojektionen für 2026 liegen bei 3 Prozent, für 2027 bei 2,3 Prozent und für 2028 bei 2 Prozent.
Lagarde betonte, die geldpolitische Entscheidung sei angesichts dieser Zahlen klar gewesen.
Trotz der Straffung wurde die Wachstumsprognose nur um 0,1 Prozentpunkte von 0,9 auf 0,8 Prozent gesenkt.
Der Arbeitsmarkt sei robust, die Arbeitslosigkeit nahe historischer Tiefststände, und der Finanzsektor zeige sich mit gut kapitalisierten Banken stabil.
Die nationalen Zentralbanken hätten ausreichend Anzeichen für Wachstum in ihren Juni-Projektionen gesehen.
Digitaler Euro, KI-Risiken und Reformdruck
Lagarde äußerte sich zum Digitalen Euro, der Händlern geringere Gebühren und Bürgern eine unabhängige Zahlungsmöglichkeit bieten soll.
Populistische Behauptungen über Überwachung oder programmierbares Geld wies sie entschieden zurück.
Eine Obergrenze für digitale Euro-Bestände von voraussichtlich 3.000 Euro sei im Gespräch, um Bankeinlagen nicht zu gefährden.
Sie betonte zudem die Notwendigkeit europäischer Reformen, um die 35 Billionen Euro an ungenutzten Ersparnissen in die Wirtschaft zu lenken.
Als neues, unterschätztes Risiko nannte sie Künstliche Intelligenz, die zwar Produktivitätsgewinne verspreche, aber auch ernsthafte Sicherheitsrisiken berge, für die Verteidigungsmittel noch gefunden werden müssten.
Zwischen Mandat und politischem Erbe
Lagarde positioniert die EZB klar im Kampf gegen die Inflation, lässt aber die Tür für eine politische Zukunft offen.
Ihre Warnungen vor KI-Risiken und die Betonung von Klimafaktoren zeigen eine erweiterte Sicht auf das Zentralbankmandat.
Dies deutet auf eine Präsidentin hin, die über die reine Geldpolitik hinaus ein europäisches Erbe gestalten möchte.
Quelle: Christine Lagarde: Interview with Les Échos
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