EZB-Studie: Inflation reagiert unverhältnismäßig auf große Energieschocks
Eine neue EZB-Studie zeigt: Die Inflation im Euroraum reagiert unverhältnismäßig stark auf große Energieschocks. Kleine Schocks hingegen lösen keine signifikante Reaktion aus, was eine differenzierte Geldpolitik erfordert.
Nicht-lineare Schock-Transmission im Fokus
Ein neues empirisches Inflationsmodell der EZB-Ökonomen erfasst nicht-lineare Schocktransmission mittels eines Bayesian Machine Learning Frameworks.
Anders als traditionelle lineare Modelle erlaubt der Ansatz nicht-lineare Effekte über alle Impulsreaktionshorizonte hinweg.
Die Anwendung auf Energieschocks im Euroraum zeigt: Die Inflation reagiert unverhältnismäßig stark auf große Schocks, während kleine Schocks keine signifikante Reaktion auslösen.
Diese Nicht-Linearitäten sind entlang der gesamten Preiskette präsent, besonders ausgeprägt bei Rohstoff- und Erzeugerpreisen und schwächen sich bei den Verbraucherpreisen ab.
Die Autoren betonen, dass dies eine differenzierte geldpolitische Antwort erfordern könnte.
Maschinelles Lernen für Inflationsdynamik
Ökonomen erkennen an, dass Schocks die Inflation nicht-linear beeinflussen können, doch traditionelle Modelle sind oft linear oder erzwingen starre Nicht-Linearitäten.
Die beispiellose Inflation nach der Pandemie offenbarte Lücken in diesen Modellen.
Das Papier schließt diese Lücke durch ein neuartiges ökonometrisches Framework für die Euroraum-Inflation, das minimale Annahmen über die Form der Nicht-Linearitäten trifft.
Es kombiniert Bayesian Vector Regression (BVAR) mit Bayesian Additive Regression Trees (BART), um strukturelle Schocks – darunter Energie, globale Lieferketten, Nachfrage und heimisches Angebot – nicht-linear zu modellieren.
Kleine Schocks ignorieren, große nicht
Die Erkenntnis, dass große Energieschocks eine unverhältnismäßig stärkere Inflationsreaktion auslösen, ist für Zentralbanken von hoher Relevanz.
Sie bestätigt die Notwendigkeit einer differenzierten geldpolitischen Reaktion, die kleine Angebotsschocks ignorieren, aber große nicht übersehen darf.
Dies liefert eine wichtige empirische Grundlage für die Anpassung von Reaktionsfunktionen in Zeiten erhöhter Volatilität.