Lagarde warnt vor geoeconomischer Fragmentierung
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Notwendigkeit, Europas Wirtschaft auf geoeconomische Fragmentierung vorzubereiten. Die Abhängigkeit von Lieferketten sei zur Sicherheitsfrage geworden.
Die Kosten der Abhängigkeit
Lagarde hob hervor, dass eine plötzliche Reduzierung der Lieferungen von geopolitisch fernen Anbietern um 50 Prozent den Wertschöpfungsanteil der Fertigungsindustrie um 2 bis 3 Prozent senken würde.
Besonders betroffen wären die Bereiche Elektrotechnik, Chemie und Elektronik.
Europa sei als offenste der großen Volkswirtschaften besonders anfällig.
Die EZB-Präsidentin skizzierte drei Strategien für strategische Autonomie: Unabhängigkeit (Wiederaufbau heimischer Lieferketten), Unverzichtbarkeit (Stärkung kritischer Bereiche) und Diversifizierung (Verteilung der Lieferketten auf mehrere Partner).
Vom Vorteil zur Verwundbarkeit
Die tiefe wirtschaftliche Verflechtung der letzten Jahrzehnte, einst als Stabilitätsquelle betrachtet, sei heute eine Quelle der Verwundbarkeit.
Globale Störungen wie die Pandemie oder die gezielte Instrumentalisierung von Abhängigkeiten zeigten dies.
Lagarde warnte davor, dass undifferenzierte Strategien unnötige Kosten verursachen oder tatsächliche Engpässe übersehen könnten.
Sie nannte das Beispiel der Chip-Produktion, wo eine vollständige Autonomie zu 'hohlen Champions' führen könnte, die global nicht wettbewerbsfähig sind.
Euro als Anker in unsicheren Zeiten
Die EZB muss auf ein volatileres Umfeld vorbereitet sein, da geopolitische Spannungen und Lieferkettenstörungen die Finanzmärkte belasten.
Um die geldpolitische Transmission zu schützen, erweiterte der EZB-Rat die EUREP-Fazilität für Euro-Liquidität.
Diese Maßnahme schafft Vertrauen bei globalen Partnern, die in Euro handeln, und stärkt die Rolle des Euro als internationale Währung.
In einer fragmentierten Welt wird Europa so zu einer Quelle der Stabilität.