Lagarde warnt vor Stablecoin-Hype
EZB-Präsidentin Christine Lagarde kritisiert die aktuelle Debatte um Stablecoins. Sie fordert eine klare Trennung von monetären und technologischen Funktionen, um Fehlentwicklungen zu vermeiden.
Funktionen statt Instrumente
Stablecoins haben sich in sechs Jahren von unter 10 Milliarden auf über 300 Milliarden US-Dollar Marktvolumen entwickelt.
Überwiegend in US-Dollar denominiert und von zwei Emittenten kontrolliert, sind sie vom Rand ins Zentrum der politischen Debatte gerückt.
Lagarde betont, dass die Diskussion zu oft die monetäre und technologische Funktion von Stablecoins vermischt.
Während Europa mit MiCAR frühzeitig regulierte, sieht die US-Administration Stablecoins als Instrument zur Stärkung der Dollar-Dominanz.
Dies führt zu der Annahme, Europa müsse eigene Euro-Stablecoins fördern, um digitale Dollarisierung und den Verlust monetärer Souveränität zu verhindern.
Lagarde hinterfragt jedoch, ob Stablecoins überhaupt notwendig sind, um die gewünschten Vorteile zu erzielen, oder ob das Instrument mit dem Ergebnis verwechselt wird.
Monetäre und technologische Rolle
Die monetäre Funktion von Stablecoins liegt in der Erweiterung der globalen Reichweite von Reservewährungen.
Sie erleichtern den Zugang zu grenzüberschreitender Zahlungsinfrastruktur und das Halten von Währungen außerhalb der Heimatjurisdiktion, indem sie traditionelle Bankkanäle umgehen.
Dies ist besonders in Regionen wie Lateinamerika und Afrika relevant, wo Transaktionsflüsse bis zu 7,7 Prozent des BIP erreichen.
Die technologische Funktion betrifft die Abwicklung von Transaktionen innerhalb neuer Finanzinfrastrukturen wie der Distributed-Ledger-Technologie (DLT).
Stablecoins dienen hier als native 'Kasse' für die atomare Abwicklung, also den gleichzeitigen Austausch von Vermögenswerten.
Sie sind aufgrund ihrer Wertstabilität derzeit die einzigen Instrumente, die diese Rolle zuverlässig erfüllen können.
Risiken überwiegen den Nutzen
Lagarde argumentiert, dass die potenziellen Vorteile von Euro-denominierten Stablecoins, wie eine erhöhte Nachfrage nach Euro-Sicherheiten, die damit verbundenen Risiken nicht aufwiegen.
Die Fragilität privater Stablecoins, wie der Fall des USD Coin im März 2023 zeigte, birgt erhebliche Finanzstabilitätsrisiken.
Zudem könnte eine Verlagerung von Einlagen in Stablecoins die geldpolitische Transmission der EZB schwächen.
Europa sollte stattdessen auf den Aufbau einer robusten öffentlichen Infrastruktur setzen, die alternative tokenisierte Geldformen sicher verankert.