Lagarde: Europa muss Mut zum Aufbau dauerhafter Institutionen zeigen
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Lagarde: Europa muss Mut zum Aufbau dauerhafter Institutionen zeigen

EZB-Präsidentin Christine Lagarde würdigt Mario Draghi in Aachen und fordert von Europas Führung Mut zum Aufbau dauerhafter Institutionen. Die Geschichte lehre, dass individuelle Führung allein nicht genüge.

Draghis Vermächtnis: Mut in der Krise

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont Mario Draghis unerschütterliche Überzeugung, dass Europa durch Zusammenarbeit stärker wird.

Sie zieht Parallelen zu Karl dem Großen, dessen Reich ohne starke Institutionen zerfiel.

Die Lehre sei klar: Außergewöhnliche Individuen sind entscheidend, aber wahre Staatskunst verwandle diese Momente in dauerhafte Institutionen.

Draghi habe dies verstanden, als er die Grundlagen des Euro mitlegte und später als EZB-Präsident in der Staatsschuldenkrise mit seinem "whatever it takes"-Versprechen den Euro rettete.

Dieser Akt der institutionellen und persönlichen Führung kaufte Europa Zeit, um seine Fiskalregeln zu stärken und die Bankenunion zu beginnen.

Europas unvollendete Architektur

Die Arbeit an einem starken Europa ist laut Lagarde nie abgeschlossen.

Jede Generation müsse unter dem Druck neuer Herausforderungen erkennen, wo das europäische Projekt unvollendet bleibe.

Die Pandemie, Russlands Invasion der Ukraine und der globale Wettbewerb zwischen den USA und China hätten Europas institutionelle Lücken brutal offengelegt.

Lagarde verweist auf Mario Draghis Bericht zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit, der Europas Schwächen – unvollständiger Binnenmarkt, fragmentierte Energiemärkte, segmentierte Kapitalmärkte – schonungslos aufzeigt.

Mut ist jetzt gefragt

Lagarde macht deutlich, dass die Verantwortung nun bei den aktuellen europäischen Staats- und Regierungschefs liegt, auf Draghis Diagnose zu reagieren.

Sie müssen entscheiden, ob dieser Moment eine verpasste Chance wird oder ein weiterer Schritt im europäischen Aufbau.

Die EZB-Präsidentin fordert den Mut zum Handeln, um Europa dauerhaft zu stärken.