Lagarde: Internationale Ordnung braucht Reformen für Vertrauen
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Lagarde: Internationale Ordnung braucht Reformen für Vertrauen

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont in ihrer Rede an der Columbia Law School die Notwendigkeit, das Vertrauen in die internationale Ordnung durch pragmatische Reformen wiederherzustellen. Sie argumentiert, dass die über Jahrhunderte aufgebaute Ordnung nicht zerfallen muss.

Die mühsam aufgebaute Ordnung

Christine Lagarde, EZB-Präsidentin, hob in ihrer Rede hervor, dass die internationale Ordnung nicht als Diktat der Mächtigen entstand, sondern über Jahrhunderte hinweg von Staaten aller Größen gemeinsam aufgebaut wurde.

Sie verwies auf die Entstehung von Institutionen wie den Vereinten Nationen und dem Bretton-Woods-System nach dem Zweiten Weltkrieg, die auf Prinzipien wie der Begrenzung von Gewalt und dem Selbstbestimmungsrecht basieren.

Diese ko-konstituierte Ordnung führte seit 1945 zur größten Reduktion zwischenstaatlicher Kriege und einem beispiellosen Handelswachstum, das Hunderte Millionen aus der Armut befreite.

Der Aufstieg Chinas und die daraus resultierende Verschiebung des wirtschaftlichen Kräftegleichgewichts haben das System jedoch unter Druck gesetzt, da die Regeln nicht für eine solche Machtdynamik ausgelegt waren.

Dies führte dazu, dass selbst die USA, lange Zeit Garant des Systems, das Vertrauen in dessen Funktionsweise verloren.

Anreize zur Kooperation bleiben stark

Trotz Vertrauenserosion bleiben die Anreize zur internationalen Kooperation stark.

Lagarde hebt die tiefe globale Vernetzung hervor: Fast die Hälfte des Handels ist in Wertschöpfungsketten verankert, Finanzpositionen sind historisch hoch.

Versuche zur vollständigen Autonomie stoßen an Grenzen, wie gescheiterte US-Zölle auf China zeigten.

Der IWF warnt vor globalen BIP-Verlusten von bis zu 7 Prozent durch Handelsfragmentierung.

Die internationale Rechtsordnung erweist sich zudem als widerstandsfähig: Staaten nutzen weiterhin internationale Tribunale.

Europa wählte bei der Immobilisierung russischer Vermögenswerte den rechtlichen Rahmen, um die schützenden Prinzipien des Völkerrechts zu wahren, was dessen normative Kraft unterstreicht.

Reform als einziger Weg

Lagardes Rede ist ein klares Plädoyer für die Reform der internationalen Ordnung, das die Illusion einer 'neuen Weltordnung' entlarvt.

Sie betont, dass die Anreize zur Kooperation trotz aller Spannungen intakt sind und nur durch pragmatische Anpassung das Vertrauen zurückgewonnen werden kann.

Ein wichtiger Aufruf zur Stärkung multilateraler und bilateraler Kanäle in Zeiten zunehmender Fragmentierung.