Lagarde: Europas Wachstum braucht Skaleneffekte
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Lagarde: Europas Wachstum braucht Skaleneffekte

EZB-Präsidentin Christine Lagarde fordert Europa auf, seine Größe in Skaleneffekte umzuwandeln, um ein neues Wachstumsmodell zu etablieren. In ihrer Rede in Washington DC betonte sie die Notwendigkeit, Binnenmarktbarrieren abzubauen und Investitionen zu fördern.

Die Stärke der Vielfalt im EZB-Rat

Die Geschichte der Zentralbanken zeigt, dass Institutionen durch ihre Mandate und die Menschen, die ihnen dienen, geformt werden.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde würdigte Paul Volckers Rolle bei der Stärkung der Fed-Unabhängigkeit.

Europa wird oft mangelnde Entschlossenheit vorgeworfen, doch der EZB-Rat, mit 27 Mitgliedern der größte unter den großen Zentralbanken, beweist das Gegenteil.

Diese Struktur macht die EZB schwerer beeinflussbar und ihre Vielfalt ist ein Vorteil in unsicheren Zeiten, da sie unterschiedliche Perspektiven auf Wirtschaftsentwicklung und Risiken bündelt.

Dies wirkt als institutionelle Absicherung.

Die EZB hat in Krisen schnell gehandelt, etwa mit dem 750 Mrd. Euro Notfallankaufprogramm PEPP und der schnellsten Straffung der Geschichte mit 450 Basispunkten Zinserhöhungen, gefolgt von 200 Basispunkten Senkungen.

Wachstum durch Binneninvestitionen und KI

Europas Wachstumsmodell, das lange auf externe Nachfrage setzte, ist überholt.

Hohe Exportüberschüsse und die Verlagerung von Ersparnissen ins Ausland, insbesondere in die USA, führten zu einem Mangel an Produktivitätsgewinnen im eigenen Land.

Nun vollzieht sich ein Wandel: Das Wachstum der Eurozone wird zunehmend von der Binnennachfrage getragen.

Steigende Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur sowie ein starker Anstieg privater digitaler Investitionen, insbesondere im Bereich KI (plus 20 Prozent seit 2020), befeuern diesen Trend.

Zwischen 2026 und 2028 werden Investitionen voraussichtlich fast 40 Prozent des Eurozonen-Wachstums ausmachen, was über 150 Mrd. Euro an zusätzlichen kumulativen Investitionen bedeutet.

Dies stärkt Europas Resilienz und fördert ausgewogenere Handelsbeziehungen.

Schlafender Riese wartet auf Reformen

Europa bleibt ein schlafender Riese, dessen immenses Potenzial durch interne Barrieren im Binnenmarkt, besonders bei Dienstleistungen und Kapitalmärkten, blockiert wird.

Analysen der EZB zeigen, dass der Abbau dieser Hürden das BIP um das Vierfache der geschätzten US-Zollverluste steigern und Billionen Euro an Kapital für langfristige Investitionen freisetzen könnte.

Ohne entschlossene Reformen zur Schaffung echter Skaleneffekte wird Europas privater Sektor seine technologischen Fortschritte nicht voll entfalten können.