Versicherung mildert Makro-Folgen von Klimakatastrophen
ECB Paper Read in English

Versicherung mildert Makro-Folgen von Klimakatastrophen

Eine höhere Versicherungsdeckung mildert die makroökonomischen Folgen von Naturkatastrophen. Dies belegt eine aktuelle EZB-Studie, die die Bedeutung der Schließung der Klimaversicherungslücke hervorhebt.

Versicherung als Wirtschaftspuffer gegen Klimaschäden

Eine neue EZB-Studie beleuchtet die Rolle der Versicherung bei der Minderung der makroökonomischen Auswirkungen klimabedingter Katastrophen.

Ein stilisiertes theoretisches Wachstumsmodell zeigt, wie Versicherungen die Folgen von Katastrophen abmildern können und welche Effekte ein sinkender Versicherungsschutz bei zunehmender globaler Erwärmung hat.

Die empirische Analyse von Tausenden Katastrophenereignissen in 47 Industrie- und Schwellenländern zwischen 1996 und 2019 bestätigt: Eine höhere Versicherungsdeckung ist mit weniger schwerwiegenden makroökonomischen Folgen von Katastrophen verbunden.

So wird geschätzt, dass eine Katastrophe, die 1 Prozent des BIP an Schaden verursacht, das BIP-Wachstum im Quartal des Ereignisses um etwa 0,2 Prozentpunkte reduziert.

Bei hoher Versicherungsdeckung kann dieser anfängliche Rückgang jedoch abgewendet werden.

Die Studie findet zudem Hinweise darauf, dass diese BIP-Differenzen im Zusammenhang mit der Versicherungsdeckung über die Zeit hinweg bestehen bleiben.

Die wachsende Schutzlücke

Trotz der positiven Rolle der Versicherung besteht eine erhebliche Schutzlücke.

In der EU sind weniger als ein Viertel der Verluste durch Naturkatastrophen versichert, in einigen Ländern sogar unter 5 Prozent.

Zudem ist der Versicherungsschutz zuletzt zurückgegangen und könnte aufgrund des Klimawandels weiter sinken.

Versicherer und Rückversicherer reduzieren die Deckung oder erhöhen Prämien angesichts steigender Katastrophenrisiken.

Dies bedeutet, dass die zukünftigen Auswirkungen von Katastrophen größer sein könnten als vergleichbare Ereignisse in der Vergangenheit, was die Kosten des Klimawandels unterschätzen lässt.

Ein Weckruf für die Politik

Die Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit politischer Maßnahmen zur Verringerung der Klimaversicherungslücke.

Dazu gehören die Verbesserung der privaten Versicherungsdurchdringung und die Entwicklung öffentlich-privater Resilienzlösungen.

Angesichts der grenzüberschreitenden Natur und potenziellen systemischen Auswirkungen des Klimawandels ist eine konzertierte europäische Antwort unerlässlich.