EZB-Studie: Verbraucherpreise im Euroraum reagieren flexibler auf Inflation
Eine neue EZB-Studie zeigt, dass die Verbraucherpreise im Euroraum während der Inflationswelle 2021-2024 deutlich flexibler wurden. Die Häufigkeit der Preisanpassungen nahm zu, was die Inflationsspitze um fast einen Prozentpunkt erhöhte.
Inflationswelle: Preise passten sich deutlich häufiger an
Die monatliche Häufigkeit von Preisänderungen erreichte 2022 im Euroraum 12 Prozent, verglichen mit durchschnittlich 8 Prozent im Zeitraum 2010-2019. Im Januar 2023 erreichte dieser Wert sogar fast 16 Prozent.
Dieser Anstieg war hauptsächlich auf häufigere Preiserhöhungen zurückzuführen, während die durchschnittliche Größe der Preisänderungen nur geringfügig variierte.
Während die Häufigkeit der Preisänderungen bei Lebensmitteln und industriellen Gütern ohne Energie (NEIG) 2023 und 2024 schnell sank, blieben die Frequenzen im Dienstleistungssektor auch 2024 erhöht.
Produkte mit einem höheren Anteil an importierten Energiekosten reagierten stärker auf die Inflationswelle.
Die Studie basiert auf CPI-Mikrodaten aus neun Ländern des Euroraums.
Zustandsabhängige Preisanpassung und ihre Folgen
Die Ergebnisse der Studie sind konsistent mit einem zustandsabhängigen Preismodell, bei dem die Wahrscheinlichkeit von Preisanpassungen mit der Lücke zwischen tatsächlichen und optimalen Preisen steigt.
Dies deutet auf eine Versteilerung der Phillips-Kurve hin.
Eine makroökonomische Modellsimulation zeigt, dass die Inflationsspitze um fast einen Prozentpunkt niedriger ausgefallen wäre, wenn die Häufigkeit der Preisanpassungen nicht auf den Inflationsschub reagiert hätte.
Die Forscher zerlegen die Inflation in eine extensive (Häufigkeit der Änderungen) und eine intensive (Größe der Änderungen) Komponente und zeigen, dass die extensive Komponente während des Inflationsschubs stärker zur Inflationsvariation beitrug als üblich.
Flexiblere Preise – Segen oder Fluch?
Die Studie belegt, dass Verbraucherpreise im Euroraum bei hoher Inflation flexibler reagieren, was die Wirksamkeit der Geldpolitik erhöht.
Die anhaltend hohe Preisanpassungsfrequenz im Dienstleistungssektor signalisiert jedoch weiterhin hartnäckige, lohnbezogene Inflationsrisiken.
Diese Preisflexibilität ist ein zweischneidiges Schwert, da sie sowohl die Beschleunigung als auch die Verlangsamung der Inflation verstärkt.