EZB-Studie: Unsicherheit beeinflusst Konsum und Sparverhalten der Haushalte
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EZB-Studie: Unsicherheit beeinflusst Konsum und Sparverhalten der Haushalte

Die Wahrnehmung wirtschaftlicher Unsicherheit spielt eine entscheidende Rolle für das Ausgaben- und Sparverhalten von Haushalten. Eine aktuelle EZB-Analyse zeigt, wie sich diese Unsicherheit auf Konsumpläne und tatsächliche Ersparnisse auswirkt.

Unsicherheit bleibt erhöht: Haushalte sparen mehr

Die Wahrnehmung wirtschaftlicher Unsicherheit beeinflusst maßgeblich das Ausgaben- und Sparverhalten von Konsumenten.

Die EZB Consumer Expectations Survey (CES) liefert hierzu granulare Einblicke.

Ein Vergleich mit Indikatoren der Europäischen Kommission zeigt, dass die Unsicherheit zwar unter dem Höhepunkt der Jahre 2022-23 liegt – der durch den Krieg in der Ukraine und den Energiepreisschock ausgelöst wurde – aber immer noch über dem Tiefpunkt von Mitte 2021, als sich die Wirtschaft von der COVID-19-Pandemie erholte.

Haushalte, die eine höhere Unsicherheit empfinden, reduzieren ihren Konsum und erhöhen ihre Ersparnisse.

Im Durchschnitt geben unsichere Haushalte monatlich rund 100 Euro weniger für langlebige und nicht-langlebige Güter aus als Haushalte, die ihre finanzielle Lage als besser einschätzbar empfinden.

Diese Differenz entspricht etwa 25 Prozent der durchschnittlichen monatlichen Ersparnisse und knapp 5 Prozent der gesamten monatlichen Ausgaben.

Wer ist am stärksten betroffen? Pläne für die Zukunft

Die Studie beleuchtet die unterschiedlichen Auswirkungen der Unsicherheit auf verschiedene Haushaltstypen.

Haushalte mit Liquiditätsengpässen (53%) und Arbeitslose (49%) finden es deutlich schwieriger, ihre finanzielle Situation vorherzusagen, als ungebundene oder erwerbstätige Haushalte.

Die wahrgenommene Arbeitsplatzsicherheit ist ein Haupttreiber des Einkommensrisikos.

Als Reaktion auf die erhöhte Unsicherheit planen mehr Haushalte, ihre Ausgaben zu reduzieren (53% vs. 42% der sicheren Haushalte) oder größere Anschaffungen zu verschieben (37% vs. 26%).

Auch die Anpassung des Arbeitsangebots, etwa durch die Suche nach zusätzlichen Einkommensquellen, ist eine häufige Reaktion (35% vs. 22%).

Ein wichtiger Faktor für die Sparquote

Diese Untersuchung unterstreicht die anhaltende Relevanz wirtschaftlicher Unsicherheit für das Verständnis der aggregierten Konsum- und Sparmuster im Euroraum.

Die Ergebnisse erklären maßgeblich, warum die Sparquote der Haushalte trotz sinkender Inflation weiterhin auf einem erhöhten Niveau verharrt.

Für die Geldpolitik ist die Reduzierung von Unsicherheitsfaktoren entscheidend, um die Binnennachfrage zu stimulieren.