Captive Banks schwächen Umweltpolitik bei Autokrediten
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Captive Banks schwächen Umweltpolitik bei Autokrediten

Eine neue EZB-Studie zeigt: Captive Banks, die Finanzierungsgesellschaften von Autoherstellern, untergraben die Wirksamkeit von Umweltauflagen für Dieselfahrzeuge. Sie passen ihre Kreditkonditionen anders an als unabhängige Banken, insbesondere nach dem Dieselskandal und der Einführung von Umweltzonen.

Dieselgate und Umweltzonen: Unterschiedliche Reaktionen

Nach dem Dieselskandal 2015 reduzierten Captive Banks die Zinsen und erhöhten die Beleihungsquoten (Loan-to-Value-Ratios) für Dieselfahrzeuge im Vergleich zu unabhängigen Banken.

Diese Effekte waren am stärksten bei Dieselfahrzeugen der eigenen Konzernmarken.

Dies deutet darauf hin, dass Captive Banks günstige Finanzierungsbedingungen nutzen, um Fahrzeugverkäufe und Wiederverkaufswerte nach negativen Umweltinformationen zu stützen.

Im Gegensatz dazu reagierten unabhängige Banken stark auf regulatorische Schocks durch die Einführung und Verschärfung von Umweltzonen.

In Deutschland erhöhten unabhängige Kreditgeber die Darlehenszinsen für Dieselfahrzeuge in Kreisen mit strengeren Zirkulationsbeschränkungen, was auf eine Bepreisung des erhöhten regulatorischen und Sicherheitenrisikos hindeutet.

Captive Banks passten ihre Kreditkonditionen hier weniger stark an.

Die Ergebnisse basieren auf einer umfassenden Analyse von Autokrediten für Gebrauchtfahrzeuge in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien zwischen 2008 und 2018.

Vertikale Integration als Bremse für Umweltziele

Die Studie untersucht, wie Autokreditgeber ihre Kreditvergabe an Schocks anpassen, die die wahrgenommene Umweltqualität und das regulatorische Risiko von Dieselfahrzeugen verändern.

Sie nutzt zwei quasi-natürliche Experimente: den Dieselskandal 2015, der die tatsächlichen Emissionswerte von Dieselfahrzeugen offenbarte, und die gestaffelte Einführung lokaler Umweltzonen.

Ein zentraler Beitrag ist die Analyse, wie die Organisationsstruktur von Kreditgebern – Captive Lenders (Finanztochtergesellschaften von Autoherstellern) versus unabhängige Banken – die Reaktion der Kreditvergabe auf diese Umweltschocks prägt.

Captive Lenders sind zwar dem Kredit- und Sicherheitenrisiko ausgesetzt, haben aber auch Anreize, die Profitabilität und den Marktwert der Fahrzeuge ihrer Muttergesellschaften zu unterstützen.

Unabhängige Banken hingegen haben kein strategisches Interesse an der Unterstützung bestimmter Automarken.

Diese Unterscheidung ermöglicht es, zu identifizieren, wie die vertikale Integration zwischen Produktion und Finanzierung die Übertragung von Umwelt- und Regulierungsschocks über die Kreditmärkte beeinflusst.

In­ter­es­sen­kon­flikt untergräbt Klimaziele

Die Studie deckt eine kritische Schwachstelle in der Übertragung von Umweltpolitik auf.

Wenn Finanzintermediäre Anreize haben, umweltbelastende Produkte zu stützen, können politische Maßnahmen untergraben werden.

Für Regulierungsbehörden bedeutet dies, dass die Organisationsstruktur von Kreditgebern bei der Gestaltung von Umweltauflagen berücksichtigt werden muss.