EU-Dekarbonisierung in Gefahr: Hohe Strompreise bremsen Elektrifizierung
Trotz ambitionierter Dekarbonisierungsziele stagniert die Stromnachfrage in der EU, während die Preise hoch bleiben. Eine EZB-Analyse beleuchtet die Treiber der Stromkosten für Haushalte und energieintensive Industrien und deren Bedeutung für die Elektrifizierungsstrategie.
Elektrifizierung stockt, Preise bleiben hoch
Die Elektrifizierung ist zentral für die Dekarbonisierungsstrategie der Europäischen Union, doch die Stromnachfrage stagnierte im letzten Jahrzehnt.
Die Preise verharren nach der Energiekrise 2021-22 auf erhöhtem Niveau.
Die Europäische Kommission strebt an, den Stromanteil am Bruttoendenergieverbrauch von 23 Prozent im Jahr 2024 auf 32 Prozent bis 2030 zu steigern.
Angesichts eines Rückgangs des Stromverbrauchs im Euroraum um 6,3 Prozent zwischen 2015 und 2023 stellt dies eine Herausforderung dar.
Die Strompreise für Endverbraucher setzen sich aus vier Hauptkomponenten zusammen: Energie- und Bezugskosten, Netzkosten, Mehrwertsteuer sowie sonstige Steuern.
Im Jahr 2024 machten Energie- und Bezugskosten etwa 50 Prozent der Stromrechnung von Haushalten und 63 Prozent bei energieintensiven Industrien aus.
Netzkosten beliefen sich auf 27 Prozent für Haushalte, aber nur 12 Prozent für energieintensive Industrien, die von reduzierten Netzentgelten profitieren.
Haushalte zahlen doppelt, Industrien drosseln Verbrauch
Haushalte im Euroraum zahlen etwa doppelt so viel für Strom wie energieintensive Industrien, was höhere Preise in allen Komponenten der Stromrechnung widerspiegelt.
In Deutschland, Spanien und Italien sind die Strompreise für Haushalte sogar rund 100 Prozent höher.
Länder, die für die Stromerzeugung stark auf importierte fossile Brennstoffe angewiesen sind, verzeichnen tendenziell höhere Strompreise.
Zwischen 2019 und 2024 stiegen die Strompreise für energieintensive Industrien um rund 53 Prozent und für Haushalte um etwa 33 Prozent.
Trotz dieser Preisanstiege und der damit verbundenen höheren Gesamtausgaben sank der Stromverbrauch: bei energieintensiven Industrien im Euroraum um rund 14,5 Prozent und bei Haushalten um etwa 1,5 Prozent zwischen 2019 und 2023. Die Auswirkungen der Kosten aus dem EU-Emissionshandelssystem (ETS) auf die Strompreise sind in Ländern mit geringerer Kohlenstoffintensität der Stromerzeugung weniger ausgeprägt.
Mehr als nur ein Preisproblem
Die Analyse der EZB zeigt deutlich: Hohe Strompreise sind kein temporäres Problem, sondern eine strukturelle Bremse für die Energiewende der EU.
Kurzfristige Entlastungsmaßnahmen verdecken die tieferliegenden Ursachen und schwächen Anreize zur Dekarbonisierung.
Eine nachhaltige Elektrifizierung erfordert grundlegende Reformen bei Energieinfrastruktur und -mix, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern.