EZB und ESRB analysieren Finanzrisiken durch Geoökonomie
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EZB und ESRB analysieren Finanzrisiken durch Geoökonomie

Ein gemeinsamer Bericht von EZB und ESRB analysiert die Finanzstabilitätsrisiken durch geoökonomische Fragmentierung. Geopolitische Schocks können finanziellen Stress verstärken und das Wirtschaftswachstum dämpfen.

Geopolitik als neue Unsicherheitsquelle

Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) haben einen gemeinsamen Bericht zu Finanzstabilitätsrisiken durch geoökonomische Fragmentierung publiziert.

Geopolitische Risiken und Unsicherheiten sind seit Mitte der 2010er Jahre deutlich gestiegen, mit bemerkenswerten Zunahmen in den Jahren 2024 und 2025. Diese können finanziellen Stress verstärken, das Wirtschaftswachstum dämpfen und die Vernetzung von Anleihen, Rohstoffen, Aktien und Wechselkursen erheblich verändern.

Der Bericht stellt einen neuen Überwachungsrahmen vor, der geopolitische Indikatoren in die Finanzstabilitätsanalyse integriert.

Heterogene Auswirkungen auf Banken und Länder

Geopolitische Schocks und politische Unsicherheit führen zu verschärften Finanzierungsbedingungen, Marktstress und reduziertem Kreditwachstum.

Die Auswirkungen sind heterogen: Offenere Volkswirtschaften und Länder mit höheren Staatsschuldenquoten sind anfälliger für Amplifikationseffekte.

Banken und Nichtbanken reduzieren in Reaktion auf solche Schocks die Kreditvergabe, insbesondere grenzüberschreitende Engagements.

Dies verringert die externe Schockanfälligkeit des Finanzsystems, limitiert jedoch auch die internationale Diversifizierung.

Die EZB und der ESRB fordern verbesserte, harmonisierte Datensätze sowie ergänzende Szenarioanalysen für die Finanzstabilität.

Risiko auf der Agenda

Der Bericht liefert eine fundierte theoretische Grundlage für ein zunehmend relevantes Thema.

Die Integration geopolitischer Risiken in den EZB-Stresstest 2025 und den Reverse-Stresstest 2026 zeigt, dass die Erkenntnisse direkt in die Aufsichtspraxis einfließen.

Dies macht Geoökonomie zu einem zentralen Faktor für die Finanzstabilität und erfordert proaktive Maßnahmen.